"Zapfsäulen-Krieg"
Söldnertruppe hält Grenz-Tankstelle in Polen besetzt
Der Streit um die bei Tanktouristen beliebte Tankstelle im deutsch-polnischen Grenzgebiet sorgt derzeit in Berlin für Schlagzeilen. "Kleinkrieg um Tankstelle", titelte der "Tagesspiegel". "Maskierte Männer in Tarnanzügen und schusssicheren Westen riegeln Berlins beliebteste Polen-Tanke ab", hieß es in einem Online-Bericht der "BZ". Was wie der Einsatz eines Polizei-Sonderkommandos aussehe, ist ein von Söldnern geführter "Zapfsäulen-Krieg", so die Zeitung. "Es sind Szenen wie im Krieg", schrieb der "Berliner Kurier" auf seiner Website. Von einer "Tankstellen-Besetzung in Wildwestmanier" berichtete die "Märkische Allgemeine".
Tankstelle seit Sonntag im Ausnahmezustand
Etwa 20 bewaffnete Söldner hatten den deutschen Medienberichten zufolge in der Nacht auf Sonntag das Gelände in Krajnik Dolny gestürmt, die Zufahrten abgeriegelt, Absperrbänder gespannt und die anwesenden Mitarbeiter verjagt. Anschließend errichteten die maskierten Männer eine Barrikade: Sie reihten rund um das Gelände der Tankstelle fünf Tanklaster, schwarze Kleinbusse und Limousinen auf. Seither kommt kein Autofahrer an eine der 14 Tanksäulen - worüber sich vor allem Deutsche ärgern würden, berichtete der "Tagesspiegel".
Firmen streiten um lukrativen Pachtvertrag
Hintergrund der filmreifen Aktion: Die hoch verschuldete Gemeinde Chojna - zu der Krajnik Dolny gehört - verkaufte das Grundstück der lukrativen Tankstelle laut "BZ" für 22 Millionen Zloty (5,4 Millionen Euro) an die Kette Apexim AB - obwohl der derzeitige Betreiber Setpol noch einen Pachtvertrag bis ins Jahr 2015 besitzt. Setpol sei nach Auskunft der Beschäftigten mehrfach mit juristischen Mitteln gegen den Verkauf vorgegangen, blieb aber erfolglos, so die Zeitung. Die beiden Unternehmen konkurrieren vor allem in der westpolnischen Region Lubuskie auf dem Tankstellenmarkt.
Apexim wollte nun offenbar sofort auf das gekaufte Grundstück - um sich das Geschäft mit den vorwiegend deutschen Autofahrern nicht entgehen zu lassen, so der "Tagesspiegel" über die Motivation für die radikale Aktion des Unternehmens. Wie lokale polnische Zeitungen berichteten, soll der jährliche Nettogewinn allein dieser Tankstelle direkt an der Oder umgerechnet knapp 340.000 Euro betragen.
"Das Gelände gehört uns. Im Dezember haben wir den Vertrag gekündigt. Ende März hätte geräumt werden müssen", rechtfertigte Jakob Wolanski von Apexim AB gegenüber dem "Berliner Kurier" die Besetzung. Dem widersprach allerdings Noch-Pächter Stefan Tarnowski: "Ich bin geschockt. Die Besetzung ist eine absolut illegale Aktion." Gebäude und Zapfsäulen seien in Besitz der Kette Setpol, betonte Tarnowski. Setpol erstattete mittlerweile Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Polnischer Polizei sind die Hände gebunden
Die polnische Polizei beobachtet das bisher in der Landesgeschichte einmalige Geschehen bislang noch aus sicherer Entfernung. Sie griff weder am Sonntag noch am Montag ein. Ein Polizeisprecher verwies am Dienstag darauf, dass es sich um einen Streit in einer Zivilsache handele. "Die Polizei beschäftigt sich mit keiner Vollstreckung in diesem Fall und greift nicht in Zivilsachen ein", hieß es in einer Mitteilung. Allerdings prüfe die Staatsanwaltschaft, ob bei der Besetzung Gesetze gebrochen wurden.
Indessen werde dem "Tagesspiegel" zufolge sogar eine weitere Eskalation der Lage nicht ausgeschlossen. Setpol wolle demnach eine andere Sicherheitsfirma beauftragen, die Tankstelle von den Besetzern zu befreien. In Deutschland hofft man derweil, dass die Streitereien sich nicht auf heimische Tankstellen ausdehnen, die sich in polnischem Besitz befinden. "Auf dem Mineralölmarkt geht es um Millionen", so Andreas Schuster, Chef der Polizeigewerkschaft GdP in Brandenburg, zur "Morgenpost". Es handle sich um ein äußerst lukratives Geschäft. Es könnten gar "mafiöse Strukturen" dahinterstecken.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.