Die deutsche Schriftstellerin Sibylle Berg hat ihren 12 Jahre alten Roman „Toto oder Vielen Dank für das Leben“ für das Wiener Burgtheater dramatisiert. Maria Happel berührt inmitten eines guten Ensembles.
Das Faktum „Uraufführung“ scheint zwar etwas großzügig ausgelegt, denn Sibylle Bergs gelungener Roman „Toto oder vielen Dank für das Leben“ ist 12 Jahre alt. Aber immerhin hat die Autorin die Dramatisierung selbst vorgenommen. Und hatte man es 2012 noch mit einem pittoresk tragischen Einzelfall zu tun, so liegt die Aufführung heute auf dem Zeitgeist der nicht endenden Diversitätsdebatten. DDR, 1966: In die grenzenlose Spießigkeit des Arbeiter- und Bauernparadieses wird ein uneheliches Kind mit nicht zuordenbarem Geschlecht geboren. Es geht durch die Hölle eines Erziehungsheims und einer Pflegefamilie, gelangt in den Westen und erlebt auch dort die schlimmsten Niederschläge, bleibt aber mit seiner Seelentiefe und arglosen Herzensschönheit ein Mensch inmitten einer Welt voller Verräter.
Der Burgtheater-Debütant Ersan Mondtag vertraut als sein eigener Bühnenbildner gern dem Cinemascope-Format. Hier inszeniert er schlüssiger Weise eine Art Lehrstück in Brecht-Eisler-Ästhetik, überzeugend durchkomponiert von Beni Brachtel. Inmitten schematischer Gestalten gibt Maria Happel ein wundersames Schmerzensgeschöpf von der Gestalt eines unförmigen Kokons, in dem ein Feenwesen gefangen sitzt. Auch das übrige Ensemble um Bruno Cathomas lässt nichts vermissen. Unglücklicherweise kommt zum Schluss die lästige Live-Kamera zum Einsatz, und die pädagogische Abbuchstabierung des woken Katalogs streckt den Abend, dem man bis dahin mit Anteilnahme gefolgt ist, doch noch zur Überlänge.
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