Gericht im Visier

Dutzende Tote bei Taliban-Angriff in Afghanistan

Ausland
03.04.2013 18:05
Bei einem Angriff von Kämpfern der radikalislamistischen Taliban auf ein Gericht im Westen Afghanistans sind am Mittwoch mehrere Dutzend Menschen getötet und rund 90 weitere verletzt worden. Die Angreifer hätten das Gebäude mit Bomben und Schusswaffen attackiert, teilten die Behörden mit. Zum Zeitpunkt des Angriffs wurde am Gericht in der Stadt Farah mehreren Taliban-Kämpfern der Prozess gemacht.

Der Polizeichef von Farah, Agha Noor Kentos, sagte, fünf Taliban hätten das Gerichtsgebäude in zwei Fahrzeugen erreicht. Eines der Fahrzeuge sei explodiert, drei Kämpfer anschließend ins Gebäude eingedrungen. Unklar blieb, ob die vor Gericht stehenden Taliban-Kämpfer bei dem Angriff fliehen konnten. Die Kämpfe setzten sich nach Behördenangaben den ganzen Tag lang in der Stadt fort. Einige Angreifer sollen dabei auch in eine Filiale der Kabul-Bank neben dem Gerichtsgebäude eingedrungen sein.

Zwei Richter und Gefangener unter den Verletzten
Zur Zahl der Opfer machten Behördenvertreter unterschiedliche Angaben. Dem Vizesprecher des Innenministeriums in Kabul, Nadshib Danish, zufolge kamen bei dem Angriff mindestens 44 Menschen ums Leben. Darunter seien 34 Zivilisten und insgesamt zehn Soldaten und Polizisten. Zudem seien neun Angreifer getötet worden. 

Der Gouverneur der Provinz Farah, Mohammed Akram Chpalwak, sprach wiederum von mindestens 34 Zivilisten und zwölf Sicherheitskräfte, die getötet worden seien. Er sprach zudem von acht toten Taliban-Kämpfern und über hundert Verletzten (im Bild ein Verletzter beim Abtransport). Ein Arzt im Krankenhaus von Farah sagte, unter den Verletzten seien zwei Richter und ein Gefangener.

Taliban bekannten sich zu Angriff
Die Taliban, die seit Jahren die von den USA und NATO-Truppen gestützte Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai bekämpfen, bekannten sich unmittelbar nach der Tat auf ihrer Internetseite zu dem Angriff. In der Erklärung hieß es, der Angriff sei die Reaktion auf einen bevorstehenden "grausamen" Prozess gegen mehrere Kämpfer.

Die Provinz Farah galt bislang als relativ friedlich. Der Angriff vom Mittwoch, der tödlichste in Afghanistan seit fast eineinhalb Jahren, warf erneut die Frage auf, ob die afghanische Polizei und Armee allein die Sicherheit im Land garantieren können. Die NATO will ihre ISAF-Kampftruppe bis Ende 2014 komplett abziehen. Auch den westlichen Soldaten ist es in den elf Jahren ihrer Anwesenheit allerdings nicht gelungen, die Taliban zu besiegen.

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