Weitere Eskalation
Wirtschaftszone blockiert: Spiel mit dem Feuer in Korea
Seit dem Waffenstillstand von 1953 sind die beiden koreanischen Staaten immer wieder auf Konfrontationskurs gegangen. Nordkoreas Gründervater Kim Il Sung und dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong Il ließen regelmäßig die Muskeln spielen: Die Liste der Scharmützel reicht von einem Bombenanschlag auf ein südkoreanisches Passagierflugzeug im Jahr 1987 bis zum Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong im Jahr 2010. Vor einem neuen Krieg schreckten die beiden Koreas aber immer zurück.
Konfrontation schaukelt sich gefährlich hoch
Derzeit wütet Pjöngjang gegen eine Verschärfung der UNO-Sanktionen nach einem nordkoreanischen Atomwaffentest im Februar und eine gemeinsame Militärübung von Südkorea und den USA. Doch im Vergleich zu früheren Krisen schaukelt sich die Konfrontation bedrohlich hoch. Die Führung in Pjöngjang fühle sich offenbar durch den erfolgreichen Start einer Langstreckenrakete im Dezember und sein Atomprogramm gestärkt, sagt Paul Carroll von der US-Denkfabrik Ploughshares Fund. "Raketenstarts und Atomtests sind etwas anderes als rhetorische Salven."
Angeheizt wird der Konflikt auch dadurch, dass der neue nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un unter besonderem Druck steht, seine Standfestigkeit gegenüber dem Süden unter Beweis zu stellen. Bei Kim, der Ende 2011 die Führung von seinem verstorbenen Vater Kim Jong Il übernommen hatte, bestehe zudem die Gefahr einer "Fehleinschätzung" der Entschlossenheit seiner Kontrahenten, glaubt Bruce Klingner, ein Korea-Experte an der Heritage Foundation in Washington. Der junge Machthaber könnte sich in falscher Sicherheit wiegen, weil Seoul und Washington nach vorherigen tödlichen Zwischenfällen nicht zurückschlugen.
USA verlegen immer mehr Kriegsmaterial nach Südkorea
Diesmal jedoch hat Südkorea signalisiert, dass es einen Übergriff aus dem Norden nicht dulden werde. Dabei baut Seoul auf die militärische Rückendeckung der Vereinigten Staaten. In den vergangenen Tagen hatten die USA hochmoderne Kampfflugzeuge nach Südkorea beordert, darunter Tarnkappenbomber und zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber. Am Dienstag gab das US-Verteidigungsministerium bekannt, dass die US-Marine einen zweiten Zerstörer in den Pazifik entsandt habe. Beide Schiffe sind mit Vorrichtungen zur Raketenabwehr ausgerüstet. Zudem verlegten die USA eine schwimmende Radarstation in die Region.
Verlegung der B-52-Bomber als strategischer Fehler?
Peter Hayes vom Nautilus Institute warnte jedoch, dass sich die Verlegung der B-52 als strategischer Fehler herausstellen könnte. Dies könnte die in Nordkorea historisch tief verwurzelte Angst vor einem US-Atomangriff wiederbeleben, sagte er. Zugleich könnte die Führung in Pjöngjang die Aufrüstung durch die USA als Bestätigung für ihr Atommachtstreben empfinden. "Das sagt ihnen, dass sie den heiligen Status eines Nuklearstaates erreicht haben."
Ein Ende der Krise ist derzeit nicht absehbar, einen Atomkrieg halten Experten aber für unwahrscheinlich. Nordkorea wisse, dass ein atomarer Erstschlag selbstmörderisch wäre und das Land der Streitmacht der USA nicht gewachsen ist. Nach den lautstarken Drohungen könne sich Kim aber auch nicht einfach zurückziehen, ohne an Ansehen zu verlieren. Scott Snyder von der Denkfabrik Council on Foreign Relations in Washington rät der US-Regierung, nach dem Leitspruch "Der Klügere gibt nach" zu verfahren. Eine "diplomatische Geste" könnte Kim einen gesichtswahrenden Ausweg ermöglichen und den Jungdespoten beschwichtigen.
Zugang zur Sonderwirtschaftszone blockiert
Dennoch hat Nordkorea auch am Mittwoch einen weiteren Schritt zur Eskalation gesetzt: Das kommunistische Land verweigerte den Südkoreanern den Zugang zur Sonderwirtschaftszone Kaesong, die von beiden Staaten gemeinsam betrieben wird. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe befanden sich 861 südkoreanische Arbeiter in dem Industriekomplex. Einem südkoreanischen Regierungsvertreter zufolge ist es ihnen erlaubt, das Gebiet zu verlassen. Der südkoreanische Verteidigungsminister Kim Kwan Jin drohte allerdings mit Militäraktionen, sollte es zu Problemen bei der Abreise kommen.
Kaesong liegt auf nordkoreanischem Gebiet. 123 südkoreanische Firmen beschäftigen dort rund 50.000 - überwiegend nordkoreanische - Mitarbeiter. Dies ist eine der wenigen Möglichkeiten für das völlig verarmte Land, an US-Devisen zu gelangen. Kaesong generiert rund zwei Milliarden Dollar (1,56 Mrd. Euro) an grenzüberschreitendem Handel und 80 Millionen Dollar an Löhnen, die direkt an die Regierung fließen. Bisher war die Sonderwirtschaftszone selten in die Konflikte auf der koreanischen Halbinsel hineingezogen worden.
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