30.03.2013 14:59 |

Franziskus eckt an

Fußwaschung bei Frauen empört konservative Kreise

Die Fußwaschung von Papst Franziskus in der Jugendhaftanstalt Casal del Marmo empört konservative Kreise in der katholischen Kirche. Der Pontifex hatte dabei am Gründonnerstag auch zwei Mädchen - eine serbische Muslimin und eine italienische Katholikin - an der traditionell-christlichen Zeremonie teilnehmen lassen. Damit hätte er ein "fragwürdiges Beispiel" gesetzt, monieren nun Traditionalisten. Vatikansprecher Federico Lombardi verteidigte am Samstag die Einbeziehung der Frauen.

Argumentiert wird die Kritik an Franziskus damit, dass Jesus seinen zwölf Aposteln, also nur Männern, die Füße gewaschen habe. Die Miteinbeziehung von Frauen in dieses Ritual sei ein Bruch der katholischen Traditionen.

Papst setzt "fragwürdiges Beispiel"
"Natürlich muss ein Papst niemanden um Erlaubnis bitten, wenn er bei christlichen Riten eine Ausnahme macht", schreibt etwa der konservative Kolumnist Jimmy Akin im US-amerikanischen "National Catholic Register", dennoch sei das vom neuen Papst gesetzte Beispiel "fragwürdig". "Die Menschen folgen naturgemäß ihren Führern. Das ist der ganze Punkt hinter der Fußwaschung seiner Jünger durch Jesus. Er setzte damit ein Beispiel für sie, Franziskus setzt nun auch ein Beispiel" - laut Akin allerdings ein schlechtes.

Für konservative Kreise in der katholischen Kirche bestätigt der Argentinier damit einmal mehr die Befürchtungen, dass er der Rücknahme von Maßnahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils durch Benedikt XVI. entgegenstehen und einen weit moderneren Weg einschlagen könnte. "Das ist das offizielle Ende der Reformierung der Reform - durch ein Beispiel statuiert", beklagte etwa "Rorate Caeli", ein weitverbreiteter Blog. In ein ähnliches Horn stieß zuletzt auch der argentinische Kirchenexperte Marcelo Gonzalez, der schon die Wahl von Franziskus als "Horror" bezeichnet hatte.

Vatikansprecher verteidigt Fußwaschung von Frauen
Anders sieht dies allerdings Vatikansprecher Lombardi: Die Miteinbeziehung von Frauen hätte "pastorale Gründe" gehabt und sei zulässig gewesen. In der Jugendhaftanstalt sei auch ein größerer Anteil Frauen inhaftiert und daher in die Geste der Fußwaschung integriert worden. Bei dieser handle es sich nicht um ein Sakrament, wenn auch um einen wichtigen Ritus, für den es jedoch keine Gesetze gebe, so der Vatikansprecher. Zudem habe der neue Papst bereits in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires wiederholt in Abendmahlsgottesdiensten am Gründonnerstag auch Frauen in die Fußwaschung miteinbezogen.

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