Bersani verzweifelt

I: “Gerne regieren würde derzeit nur ein Geisteskranker”

Ausland
27.03.2013 15:37
Der in Italien mit der Regierungsbildung beauftragte Pierluigi Bersani hat mit harschen Worten die politische Situation im Land umschrieben. "Nur ein Geisteskranker hätte derzeit brennende Lust darauf zu regieren", sagte der Mitte-links-Chef am Mittwoch bei Sondierungsgesprächen mit der Bewegung Fünf Sterne von Starkomiker Beppe Grillo. Er sei aber "bereit, eine enorme Verantwortung zu übernehmen", so Bersani. Dazu sei jedoch die Hilfe aller nötig.

Das Mitte-links-Bündnis war aus der Parlamentswahl Ende Februar als Sieger hervorgegangen, woraufhin Bersani von Staatspräsident Giorgio Napolitano mit der Regierungsbildung beauftragt wurde. Seither buhlt er unter anderem um die Unterstützung der Bewegung Fünf Sterne, was diese aber ablehnt.

Das zweitplatzierte Mitte-rechts-Bündnis von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi ist zu einer großen Koalition bereit, das lehnt aber wiederum Bersani ab - obgleich es in seiner Partei Vertreter gibt, die eine große Koalition für besser halten als mögliche sofortige Neuwahlen.

Regierungsbildung droht im Sand zu verlaufen
Angesicht der festgefahrenen Lage drohen die Gespräche zur Regierungsbildung im Sand zu verlaufen. Bersani gibt offen seine Schwierigkeiten bei den seit Freitag laufenden Konsultationen zu, meint jedoch, dass man nun weiterarbeiten müsse. Er wolle sich bis Ostersonntag Zeit nehmen, um einen Ausweg aus dem politischen Engpass zu finden.

Sollte Bersani nicht in der Lage sein, ein solides Kabinett zusammenzustellen, könnte Präsident Napolitano eine prestigereiche Persönlichkeit außerhalb des Parteiensystems mit der Regierungsbildung beauftragen. Napolitano will eine Lösung für das politische Vakuum in Rom vor Ende seines Mandats am 15. Mai finden. Die Alternative wären Neuwahlen noch vor dem Sommer.

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