„Absolut verrückt“

Zahnbürste entpuppt sich als wahres Viren-Paradies

Wissen
10.10.2024 09:22
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nicht nur Bakterien fühlen sich im Badezimmer pudelwohl: Auch Viren wähnen sich auf Duschköpfen und vor allem auch Zahnbürsten im Paradies. Dort tummelt sich eine immense Vielfalt an Viren – mehr als 600 sind es, wie Proben zeigten.

„Die Anzahl der Viren, die wir gefunden haben, ist absolut verrückt“, sagte Studienleiterin Erica Hartmann von der Northwestern University in Evanston, deren Team die Studienergebnisse im Fachjournal „Frontiers in Microbiomes“ veröffentlichte. „Wir haben viele Viren gefunden, über die wir nur sehr wenig wissen, und viele andere, die wir noch nie gesehen haben.“ Es habe auch nur sehr wenige Überschneidungen zwischen zwei Proben gegeben. „Jeder Duschkopf und jede Zahnbürste ist wie eine eigene kleine Insel.“

Bakterien als „Wirte“
Die gute Nachricht dabei ist: Die Viren sind nicht für Menschen gefährlich, sondern attackieren Bakterien und vermehren sich darin. Solche sogenannten Bakteriophagen werden seit einiger Zeit wieder verstärkt zur Behandlung antibiotikaresistenter bakterieller Infektionen erforscht.

Neu entdeckte Virusarten könnten dafür eine Fundgrube sein, nehmen die Forschenden an. In den Proben wurden demnach viele Phagen gefunden, die speziell Mykobakterien infizieren – Verursacher von Krankheiten wie Lepra, Tuberkulose und Lungeninfektionen. „Es ist erstaunlich, wie viel ungenutzte Artenvielfalt es um uns herum gibt“, sagte Hartmann. „Und man muss nicht einmal weit gehen, um sie zu finden, sie befindet sich direkt vor unserer Nase.“

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Mikroben sind überall, und die große Mehrheit von ihnen macht uns nicht krank.

Studienleiterin Erica Hartmann

Mehr als 100 Proben genommen
Für die Studie hatten die Forscher gebeten, ihnen gebrauchten Zahnbürsten und Abstriche aus ihren Duschköpfen zu senden. Vorangegangene Analysen hatten bereits eine große Bakterienvielfalt in den Proben gezeigt. Für die Viren-Analyse wurden 34 Proben von Bürsten und 92 von Duschköpfen analysiert.

„Dieses Projekt begann aus Neugierde“, erklärte Hartmann. „Wir wollten wissen, welche Mikroben in unseren Häusern leben.“ Oberflächen wie Tische und Wände seien für Mikroben schwierig zu besiedeln, weil sie Umgebungen mit Wasser bevorzugten. „Und wo gibt es Wasser? In unseren Duschköpfen und auf unseren Zahnbürsten.“

Regelmäßig Zahnbürste zu wechseln reicht
Die Mikrobenvielfalt im Bad sei keinesfalls ein Grund, zu antimikrobiell wirkenden Putzmitteln zu greifen, betonte das Forschungsteam auch. Es genüge, regelmäßig seine Zahnbürste zu wechseln. Auch spezielle antimikrobielle Zahnbürsten seien nicht nötig, zumal sie zu antibiotikaresistenten Keimen führen könnten. Beim Duschkopf reiche eine Reinigung mit Seife und gegebenenfalls Entkalker.

„Mikroben sind überall, und die große Mehrheit von ihnen macht uns nicht krank“, erklärte Hartmann. „Je mehr man sie mit Desinfektionsmitteln bekämpft, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Resistenzen entwickeln oder schwieriger zu behandeln sind.“

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