Genuss gegen Gewissen

Warum die Niederösterreicher so viel Fleisch essen

Niederösterreich
08.10.2024 05:55

Eine Studie der Fachhochschule Wiener Neustadt beweist, dass kulinarische Vorlieben die negativen Folgen beim Fleischkonsum überwiegen. Dabei tricksen wir uns sozusagen selbst aus – was es mit der „kognitiven Dissonanz“ auf sich hat.

Wir alle wissen, dass wir weniger Fleisch essen sollten. Und während der Pro-Kopf-Verbrauch bundesweit zuletzt leicht rückläufig war, sind die 86,6 Kilo Fleisch, die jeder von uns im Schnitt pro Jahr verzehrt, laut Experten immer noch zu viel. Neben den positiven Auswirkungen, die eine vorrangig pflanzliche Ernährung für unseren Körper hätte, wäre das nämlich auch gut fürs Klima. Die Fachhochschule Wiener Neustadt widmete sich nun in einer Studie der Frage, warum der Fleischkonsum hierzulande trotz besseren Wissens weiter so hoch ist.

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Obwohl Konsumenten die negativen Folgen kennen, fällt es ihnen schwer, ihr Verhalten zu ändern. Was hält sie davon ab?

Tatjana Kwasny, FH Wiener Neustadt

„Obwohl die Konsumenten die negativen Folgen der Fleischproduktion auf die Umwelt genau kennen, fällt es vielen schwer, ihr Verhalten zu ändern“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeitern Tatjana Kwasny. Sie und ihre Kollegen stießen dabei auf ein psychologisches Phänomen, das als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet wird. Dieses tritt auf, wenn das Wissen um die negativen Folgen des Handelns nicht mit dem tatsächlichen Verhalten übereinstimmt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen unbewusste Strategien einsetzen, um Fleischkonsum vor sich selbst zu rechtfertigen. Dazu gehört beispielsweise das Relativieren von Auswirkungen auf das Klima oder auch das gezielte Vermeiden von Informationen über Umweltschäden, etwa durch das Ausblenden von Berichten in den Medien“, so Kwasny.

Tatjana Kwasny von der Fachhochschule Wiener Neustadt.
Tatjana Kwasny von der Fachhochschule Wiener Neustadt.(Bild: FHWN)

Tiergesundheit wiegt mehr als Umweltfragen
Bisherige Studien haben sich vor allem auf die Verbindung zwischen Tierleid und kognitiver Dissonanz konzentriert und gezeigt, dass Konsumenten weniger Fleisch essen, wenn sie sich mit nicht artgerechter Tierhaltung in der Fleischindustrie beschäftigen. Die Forschung der Fachhochschule Wiener Neustadt schließt eine wichtige Lücke: Sie untersucht erstmals, ob auch Informationen zu den Umweltauswirkungen ähnliche Effekte haben.

„Das Auflösen dieses unangenehmen Gefühls der Dissonanz, welches wir in unserer Forschung beobachten können, ist eine natürliche Methode, die Menschen in Entscheidungssituationen anwenden, in welchen sie hin und her gerissen sind“, beschreibt Sarah Marth, Leiterin des Masterstudiengangs Wirtschaftsberatung und Unternehmensführung. Ihre Ergebnisse liefern wichtige Hinweise darauf, wie beispielsweise Aufklärungskampagnen effektiver gestaltet werden können, um die Menschen zu erreichen.

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