13.03.2013 22:31 |

Die Welt feiert

Papst Franziskus von jubelnden Massen begrüßt

Die knapp 1,2 Milliarden Katholiken weltweit haben einen neuen Heiligen Vater. Am Mittwochabend wurde im fünften Wahlgang der 115 Konklave-Mitglieder der argentinische Kardinal Jorge Bergoglio zum 266. Papst gewählt. Der 76-jährige Jesuit wurde von den rund 100.000 Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom mit frenetischem Jubel begrüßt. Glückwünsche erreichten den neuen Papst noch in den Abendstunden aus der ganzen Welt.

Als um 19.06 Uhr weißer Rauch aus dem Rauchfang der Sixtinischen Kapelle die erfolgreiche Wahl eines Papstes verkündete, brach unter den Tausenden Pilgern im Vatikan Jubelstimmung aus. Applaus brandete auf, Fahnen wurden geschwenkt, die Leute umarmten sich und tanzten. So mancher blickte zum Himmel und betete, küsste ein mitgebrachtes Kreuz oder winkte in die Kameras der zahlreichen Fernsehteams vor Ort.

Menschenmassen rannten zum Petersplatz
In der Zwischenzeit marschierten Mitglieder der Schweizer Garde und Mitglieder der Militärmusik vor dem Balkon des Petersdoms auf, um ebenfalls auf den neuen Papst, dessen Name zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, zu warten. Zahlreiche Menschen rannten, nachdem sie erfahren hatten, dass weißer Rauch aufgestiegen war, durch die Straßen Roms, um rechtzeitig zum Petersplatz zu gelangen und den neuen Pontifex zu sehen.

Blitzlichtgewitter nach den Regengüssen des Tages
Das neue Kirchenoberhaupt erschien wenig später auf der Loggia des Doms, um sich den Gläubigen und der Weltöffentlichkeit zu zeigen. Franziskus erteilte dabei den Apostolischen Segen "Urbi et Orbi", der Stadt und dem Erdkreis. Erneut brandete ohrenbetäubender Applaus auf und nach den Regengüssen des Tages ging ein Blitzlichtgewitter auf den Petersplatz nieder.

Argentinien vom Ergebnis überrascht
Für viele war der Wahlausgang überraschend. Selbst in Buenos Aires, der Heimatstadt Bergoglios, fanden sich zunächst nur einige Dutzend Feiernde vor der Kathedrale der Stadt ein.

Im argentinischen Kongress unterbrach der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julian Dominguez, die Sitzung. Er rief aus: "Es gibt einen Papst, und der ist Argentinier!" Der Oppositionsführer und Abgeordnete Ricardo Alfonsin sagte, er sei "ergriffen und glücklich" über die Wahl Bergoglios. "Als Argentinier fühle ich mich stolz, dass Kardinal Bergoglio der neue Papst ist", sagte der Sohn des ehemaligen Präsidenten Raul Alfonsin.

Zwei enge Mitarbeiter Bergoglios zeigten sich über die Namenswahl des neuen Papstes überrascht. Anstatt auf Franziskus hätten sie auf Josef gewettet, erklärten der Provikar des Erzdiözese Buenos Aires, Eduardo Garcia, und Rektor Alejandro Ruso.

Weltweite Glückwünsche für neuen Pontifex
Die Glückwünsche aus aller Welt ließen nicht lange auf sich warten. Unter den ersten Gratulanten fanden sich unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Ban gratulierte nicht nur dem neuen Papst, sondern allen Katholiken weltweit: "Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus."

"Wir teilen gemeinsame Ziele - vom Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte bis zum Kampf gegen Armut und Hunger, alles wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung." Er sei überzeugt, sagte Ban weiter, dass der neue Papst sich wie sein Vorgänger für den Dialog zwischen den Religionen einsetzen werde.

Faymann, Spindelegger und Fischer gratulieren
In Österreich gratulierten Bundeskanzler Werner Faymann, Außenminister Michael Spindelegger und Bundespräsident Heinz Fischer dem neuen Pontifex. Für Faymann ist die Wahl des neuen Papstes "für Millionen Katholiken auf der Welt ein wichtiges Zeichen", wozu er Franziskus gratulierte. "Für diese Aufgabe wünsche ich ihm Kraft", so der österreichische Regierungschef.

Fischer sprach Bergoglio namens des österreichischen Volkes und persönlich seine herzlichsten Glückwünsche aus. "Die Wahl des neuen Papstes hat ein in mehrerlei Hinsicht bemerkenswertes Ergebnis gebracht. Erstmals wurde ein Nicht-Europäer in dieses hohe Amt berufen, und die Wahl des Namens, die wohl auf den Hl. Franz von Assisi hindeutet, lässt eine Betonung der Zuwendung zu den Armen und eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Schätzen der Natur vermuten. Diese Themen sind weit über den Kreis der katholischen Kirche und der christlichen Religion hinaus für die ganze Welt von Bedeutung", so der Bundespräsident.

Monti: "Italiener umarmen den neuen Papst"
"Die Italiener umarmen den neuen Papst, den sie mit Freude und voller Hoffnung und Vertrauen begrüßen", gratulierte der scheidende italienische Ministerpräsident Mario Monti in einer Botschaft an Franziskus. "Die Italiener, die eng mit dem argentinischen Volk verbunden sind, erkennen sich im Namen Ihres Schutzpatrons, des Heiligen Franz von Assisi, wieder", fügte Monti hinzu.

Auch der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano begrüßte die Wahl Bergoglios. Das Staatsoberhaupt sei von der Bescheidenheit der Worte beeindruckt, die der Papst nach seiner Wahl gesprochen habe, verlautete aus Kreisen um Napolitano.

EU-Spitzen wünschen "langes und gesegnetes Pontifikat"
Auch die Spitzen der EU-Institutionen gratulierten Franziskus. "Wir wünschen Ihnen ein langes und gesegnetes Pontifikat, das Eurer Heiligkeit und der katholischen Kirche erlauben wird, die Grundrechte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde zu verteidigen und zu fördern", erklärten EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer gemeinsamen Mitteilung in Brüssel.

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, wünschte dem neuen Papst "Mut und Stärke". Er habe die "Gelegenheit zur Erneuerung" zu einem Zeitpunkt, zu dem die katholische Kirche vor großen Herausforderungen stehe.

Obama freut sich auf Zusammenarbeit
Glückwünsche an das neue katholische Kirchenoberhaupt kamen auch aus den USA: Präsident Barack Obama gratulierte Franziskus zu seiner Wahl. Er freue sich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten, um Frieden, Sicherheit und die Würde aller "Mitmenschen, unabhängig ihres Glaubens" zu stärken.

"Als Fürsprecher der Armen und der Schwächsten trägt er die Botschaft von Liebe und Mitgefühl weiter, die die Welt seit mehr als 2.000 Jahren inspiriert hat", so Obama und seine Ehefrau Michelle in einer schriftlichen Erklärung. Zugleich sei die Wahl des ersten Papstes aus Amerika ein Zeichen der Vitalität und Stärke Lateinamerikas.

Kirchner wünscht neuem Papst "fruchtbare Aufgabe"
Nicht fehlen durften selbstverständlich auch Gratulationen aus dem Heimatland des neuen Papstes: Die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die in der Vergangenheit mehrfach öffentliche Auseinandersetzungen mit dem bisherigen Erzbischof von Buenos Aires geführt hatte, beglückwünschte Franziskus. "Wir wünschen, dass Sie als Kirchenführer eine fruchtbare Aufgabe erfüllen werden, in so großen Verantwortungen im Streben um Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit und den Frieden der Menschheit", hieß es in einem an den neuen Papst gerichteten Brief.

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