Hunger, Armut, Krieg
Bericht: Eltern verheiraten Kinder, um sie zu schützen
World Vision hat den Bericht "Untying the Knot" am Mittwoch im Londoner Parlament vorgestellt. Die Organisation verlangt von Großbritannien mehr Einsatz gegen Kinderheirat und hofft auf ein Ende dieser Praxis bis 2030.
Kinderheirat als Schutzmaßnahme missverstanden
Das Kinderhilfswerk hat ihre detaillierte Untersuchung in Somaliland, Bangladesch und Niger durchgeführt. Dabei habe man festgestellt, dass die Kinderheirat von den Familien oft als Schutzmaßnahme und Antwort auf eine Krise wahrgenommen werde. "Frühe Heirat ist eine brutale Verkürzung der Kindheit und ein Missbrauch von Kinderrechten, dennoch glauben viele Eltern in der ganzen Welt, es sei der bestmögliche Weg sicherzustellen, dass ihre Töchter versorgt sind", erklärte Co-Autorin Hannah Stevenson gegenüber dem "Telegraph".
Eltern wollen Töchter vor Hunger und Armut bewahren
"Die öffentliche Wahrnehmung im Westen ist, dass diese Arten von Ehen auf Sitten beruhen, aber unsere Untersuchung hat gezeigt, dass Eltern in den meisten Fällen fürchten, dass ihr Kind verhungern oder kein Geld haben wird - besonders, wenn sie durch Krieg alles verloren haben", so Stevenson weiter. "Sie glauben, der einzige Weg, dass ihr Kind ein annehmbares Leben hat, ist, es in jungen Jahren zu verheiraten. Sie tun das schweren Herzens, sie wollen es gar nicht wirklich verheiraten."
Krieg, Armut und Naturkatastrophen
Letztes Jahr wurden 13,5 Millionen Mädchen weltweit vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, so World Vision, jedes neunte Mädchen war noch nicht einmal 15 Jahre alt. Die betroffenen Mädchen sind meist arm, kaum gebildet und stammen aus ländlichen Gegenden. Die Hälfte lebt in Entwicklungsländern, die meisten in Südasien (46 Prozent) sowie West- und Zentralafrika (41 Prozent). Der Großteil der 25 Länder mit den höchsten Kinderheiratsraten leidet unter bewaffneten Konflikten, wirtschaftlicher Unsicherheit oder Naturkatastrophen.
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