Nach Todesurteil

Tagelange Unruhen fordern Dutzende Tote in Bangladesch

Ausland
03.03.2013 15:35
Seit Tagen erschüttern gewaltsame Unruhen Bangladesch. Nach dem Todesurteil gegen einen islamistischen Politiker am vergangenen Donnerstag haben Anhänger des Politikers zu landesweiten Protesten aufgerufen. Seither kommt es immer wieder zu blutigen Kämpfen zwischen Islamisten, den Sicherheitskräften und Anhängern der Regierung. Dutzende Menschen wurden dabei bereits getötet.

Der Vize-Chef der Jamaat-e-Islami-Partei, Delwar Hossain Sayedee, war wegen Gräueltaten während des Unabhängigkeitskriegs 1971 zum Tode verurteilt worden. Das Gericht in der Hauptstadt Dhaka sprach ihn schuldig, während des neunmonatigen Kriegs gegen Pakistan an Morden, Plünderungen, Brandstiftung, Vergewaltigungen und der Zwangskonvertierung zum Islam beteiligt gewesen zu sein. Sayedees Anwalt kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen.

Unmittelbar nach Verkündung des Urteils rief die Partei des Politikers zu landesweiten Protesten auf. In weiterer Folge kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Sympathisanten der Jamaat-Partei und Anhängern der Regierung, die bereits seit Wochen die Todesstrafe für Kriegsverbrecher wie Sayedee und ein Verbot der Islamisten-Partei fordern.

Islamisten griffen Regierungsbüros und Polizeiwachen an
Im Zuge der tagelangen Unruhen kamen bisher mindestens 57 Menschen ums Leben. Alleine am Sonntag - dem vierten Tag der Ausschreitungen - starben nach Polizeiangaben mindestens 14 Menschen. Nach Darstellung der Behörden griffen Islamisten Büros der regierenden Awami-Liga, Polizeiwachen, einen Bahnhof und andere öffentliche Einrichtungen an.

Im Norden des Landes wurden bereits die Streitkräfte mobilisiert. Sie sollen vor allem in der besonders betroffenen Stadt Shahjanapur für Ruhe und Ordnung sorgen. Innenminister Mohiuddin Khan Alamgir sagte am Sonntag: "Die Situation ist unter Kontrolle der Regierung." Die Unruhestifter, die teilweise auch Angehörige der hinduistischen Minderheit angegriffen hätten, sollen zur Rechenschaft gezogen werden.

Mehrere Kriegsverbrecher-Prozesse laufen derzeit
Das Kriegsverbrechertribunal in Dhaka hatte bereits im Jänner den früheren Jamaat-e-Islami-Chef Abul Kalam Azad wegen Kriegsverbrechen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er ist zurzeit untergetaucht. Anfang Februar erhielt der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Abdul Quader Mollah, eine lebenslange Haftstrafe.

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