Kalte Dusche
Grillo lässt Bersani abblitzen: “Ein Toter auf Beinen”
"Wir werden keiner Regierung unser Vertrauen aussprechen. Wir werden keine Abkommen schließen, sind jedoch zum Dialog über Ideen bereit, die unserem Wahlprogramm entsprechen", erklärte Grillo auf Twitter. Bersani bezeichnete er als "einen Toten auf Beinen" und als "politischen Stalker". "Seit Tagen belästigt er unsere Bewegung mit unanständigen Angeboten, statt zurückzutreten, wie es jeder andere an seiner Stelle getan hätte", schrieb Grillo.
Die Worte des 64-jährigen Kabarettisten sind eine kalte Dusche für Bersani, der mit einem Paket von fünf bis sechs Vorschlägen ins Parlament gehen und dazu die Vertrauensfrage stellen will. Er ist bereit, einer Reform des Wahlgesetzes und eine Verringerung der Zahl der Parlamentarier den Vorrang zu geben, und hofft dabei auf die Unterstützung der Grillo-Truppe.
Parteimitglieder warnen Bersani vor Allianz mit Berlusconi
Eine Alternative für Bersani wäre eine Allianz mit Mitte-rechts-Chef Silvio Berlusconi, der bei den zweitägigen Parlamentswahlen am Sonntag und Montag überraschend gut abgeschnitten hat. Der linke Flügel in Bersanis Partei warnte jedoch vor einem Bündnis mit dem Medienzaren. "Eine Allianz mit Berlusconi wäre Selbstmord", sagte etwa der Wirtschaftsexperte Stefano Fassina.
Alle Infos zum Wahlergebnis gibt's in der Infobox.
Berlusconi selbst warnte am Mittwoch vor politischer Instabilität in seiner Heimat und rief die Parteien zur Zusammenarbeit auf. Es sei wichtig, Signale der Stabilität zu geben und vor der ersten Parlamentssitzung am 15. März zu klären, welches Bündnis Regierungsverantwortung übernehmen werde. Ansonsten würde Italien einen zu hohen Preis zahlen.
"In den kommenden Tagen müssen wir über politische Szenarien und Vorschläge für die Zukunft des Landes nachdenken. Keine verantwortungsbewusste politische Kraft kann den Wert der Regierbarkeit ignorieren", sagte der 76-Jährige in einer Videobotschaft. Wichtig sei dabei, dass sich die politischen Kräfte über Reformen einigen, die in Italien dringend fällig seien, wie etwa die Senkung des Steuerdrucks und die Sanierung der Bilanzen.
Berlusconi versicherte, dass er sich politisch stark engagieren werde, um den Italienern "eine Zukunft der Freiheit" zu garantieren. "Die Wähler teilen meine Liebe für Italien. Ich würde sie am liebsten alle umarmen", sagte der Ex-Premier. Das Wahlergebnis begrüßte er: "Die Wahlen haben zur Pensionierung von einigen alten Polit-Profis und zur Niederlage der Techniker um Mario Monti, die von der Realität des Landes stark entfernt sind, geführt."
SPD-Steinbrück sorgt mit "Clown"-Sager für Ärger
Berlusconis und Grillos Wahlerfolg sorgte indes im Ausland für polemische Reaktionen. "Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", sagte etwa SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Einer davon sei der Berufskomiker Beppo Grillo, der andere "definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub". Daraufhin sagte Italiens Präsident Giorgio Napolitano kurzfristig ein für Mittwochabend geplantes Treffen mit Steinbrück in Berlin ab. Napolitano habe die Absage mit den Äußerungen Steinbrücks begründet, erklärte Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer.
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