Erste Annäherung

Irans Präsident auf historischem Besuch in Ägypten

Ausland
05.02.2013 18:24
Die Kräfteverhältnisse und Allianzen im ohnehin so fragilen Nahen Osten könnten vor einer Neuordnung stehen: Nach rund 35 Jahren erbitterter Feindschaft könnten die Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem mehrheitlich sunnitischen Ägypten auf eine neue Ebene gehoben werden. Irans Präsident ist zu einem historischen Besuch in Kairo.

Die beiden strategischen Schwergewichte der Region haben seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr miteinander, sie liegen seit der islamischen Revolution in Persien und dem nahezu zeitgleichen Friedensschluss von Ägyptens damaligem Präsidenten Anwar el Sadat mit Israel auf Eis. In Teheran ist sogar eine Straße nach dem Attentäter benannt, der Sadat im Oktober 1981 erschossen hat.

Mursi: Beziehungen "neu definieren"
Doch seit dem Sturz von Ägyptens Langzeit-Diktator Hosni Mubarak und der Wahl des Islamisten Mohammed Mursi an die Staatsspitze scheint Bewegung in die festgefahrene Situation zu kommen. Der Präsident in Kairo möchte die Beziehungen zum Iran "neu definieren", wie er gesagt hat. Anlässlich des Blockfreien-Gipfels im August war er dafür sogar nach Teheran gereist, wobei er in seiner Rede dann nicht mit Kritik am Iran sparte. Im syrischen Bürgerkrieg etwa unterstützt Teheran ja den Assad-Clan, Kairo aber steht auf der Seite der Rebellen.

Dennoch kommt es offenbar zu einer Annäherung. Allein die Tatsache, dass mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Dienstag ein iranischer Staatschef in Kairo eintraf, ist eine Polit-Sensation, auch wenn der offizielle Anlass ein Gipfeltreffen der Organisation für islamische Kooperation ist. Und am Rande dieses Treffens ist auch ein Gespräch zwischen Mursi und Ahmadinejad geplant. 

Vor allem Teheran, das infolge seines Atom(waffen)programmes und der deshalb verhängten Sanktionen des Westens international zunehmend isoliert ist, hat Interesse an einer neuen Allianz mit Ägypten. Die iranische Wirtschaft leidet massiv unter den Sanktionen.

Beide Präsidenten innenpolitisch schwach
Das wirtschaftlich ebenfalls auf dem Boden liegende Ägypten, das auf Zahlungen aus der EU und vor allem den USA angewiesen ist, agiert da naturgemäß vorsichtiger. Auch hat Mursi mehrfach festgestellt, am Friedensvertrag mit dem iranischen Erzfeind Israel festhalten zu wollen.

Was er wirklich denkt, weiß freilich niemand. Innenpolitisch scheint er mittlerweile allerdings bereits ähnlich schwach wie Ahmadinejad in seiner Heimat. Also möchten beide außenpolitisch Flagge zeigen.

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