Mursi "bestürzt"

Video von brutaler Polizeigewalt erschüttert Ägypten

Ausland
02.02.2013 19:55
Ein neuer Fall exzessiver Polizeigewalt hat in Ägypten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Fernsehsender hatten gezeigt, wie Polizisten bei den Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast in Kairo am Freitagabend einen Mann auszogen und brutal zusammenschlugen (Bilder). Präsident Mohammed Mursi ließ über seinen Sprecher seine Bestürzung über die Brutalität bekunden.

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Polizisten einen Mann nahe des Präsidentenpalasts mit Knüppeln verprügeln und ihm die Kleider vom Leib reißen. Dann wird der Mann nackt über den Boden geschleift und in einen Transporter verfrachtet. Das Opfer der Misshandlung, Hamada Saber, lag am Samstag im Spital.

Mursis Sprecher betonte, es schmerze den Präsidenten, solche schockierenden Bilder zu sehen. Dieses Vorgehen von Polizisten sei mit der Menschenwürde unvereinbar. Er hob zugleich hervor, dass es sich um Einzelfälle handele, die untersucht und geahndet werden würden.

Oppositionsführer: "Es gibt keine Rechtfertigung"
Der prominente liberale Politiker Eiman Nur, der - im Gegensatz zu den übrigen bekannten Oppositionsführern - am nationalen Dialog des Präsidenten teilnimmt, forderte am Samstag die sofortige Entlassung des Innenministers. Dem privaten Fernsehsender Al-Nahar sagte Nur: "Es gibt keine Rechtfertigung für ein solches Verhalten. Ich kann nicht glauben, dass das nach der Revolution in Ägypten noch passiert."

Vor gut einem Jahr hatte in Ägypten ein ähnlicher Fall für Empörung gesorgt. Damals - als noch der Militärrat regierte - wurde im Internet ein Video veröffentlicht, das zeigte, wie eine Demonstrantin von Soldaten brutal verprügelt und teils entblößt wurde.

Oppositionsbündnis: "Mursi muss vor Gericht"
Die Nationale Heilsfront, die wichtigste Oppositionsgruppierung des Landes, forderte indessen den Rücktritt des Staatschefs. In einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung erklärte das Bündnis sie unterstütze die "Rufe des Volkes" nach einem Sturz "des Regimes der Tyrannei" und einem Ende der Vorherrschaft der Muslimbrüder. Mursi müsse wegen der "Verbrechen", die bei der Niederschlagung der Proteste der vergangenen Tage begangen worden seien, vor Gericht gestellt werden.

Der islamistische Präsident und die Muslimbruderschaft verurteilten wiederum die jüngsten Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast. Der Sprecher des Staatsoberhauptes forderte nach Angriffen mit Brandsätzen auf den Amtssitz Mursis am Freitagabend (siehe Infobox) die politischen Gruppen auf, die Krawalle ebenfalls zu verurteilen. Binnen einer Woche starben bei den jüngsten Unruhen in Ägypten mehr als 50 Menschen.

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