Durchschnittskost

Sci-Fi-Game zur TV-Comicserie “Ben 10: Omniverse” im Test

Spiele
11.01.2013 14:41
Das Action-Adventure "Ben 10: Omniverse" lässt Spieler in die Rolle der vom TV-Sender Cartoon Network bekannten Comicfigur Ben Tennyson schlüpfen. Beim Protagonisten handelt es sich natürlich um keinen durchschnittlichen Hanswurst, sondern um einen mit einer mächtigen Alien-Technologie ausgerüsteten jungen Actionhelden. Mithilfe des Technikspielzeugs "Omnitrix" kann sich Ben vorübergehend in viele verschiedene Alien-Formen verwandeln, die alle ihre Stärken und Schwächen haben.

Der Aufbau des Spiels ist streng linear. Ben kämpft sich gemeinsam mit seinem Freund Rook durch schlauchförmige Levels, vermöbelt allerlei Gegner und löst gelegentlich Rätsel. Besonders die Rätsel sind eine willkommene Abwechslung, an Gegnern spart "Ben 10: Omniverse" nämlich nicht. 

Alle paar Meter, so scheint es, materialisieren sich Bösewichte, die Ben und Rook ans Leder wollen. Erst wenn die allesamt fachgerecht vermöbelt wurden, öffnen sich neue Wege und das Spiel geht weiter. Mitunter wirken die Kämpfe etwas aufgesetzt und es lässt sich schon von Weitem erahnen, dass gleich wieder die nächste Schlägerei ansteht.

Rätsel sind willkommene Abwechslung
Bei den Rätseln kommt es auf die verschiedenen Spezialfertigkeiten an, die Ben in seinen Alien-Formen erlangt. Da gibt es beispielsweise die Form des "Biests", die in Wahrheit gar nicht nach einem solchen aussieht, sondern eher an den knuffigen Zeichentrick-Hund Scooby Doo erinnert. Besagtes Biest verfügt über eine besonders feine Nase, die sich Ben in dieser Form zunutze macht, um verborgene Wege zu erschnüffeln.

Eine andere Alien-Form, die sich wie ein Gürteltier zu einem Ball zusammenrollen kann, nutzt Ben, um sich über Sprungschanzen an Wände zu schießen und dort vermeintlich unerreichbare Schalter zu betätigen. Steht eine Klettereinlage an – und davon gibt es in diesem Game nicht gerade wenige – verwandelt sich der vielseitige Bursche in ein Alien mit sechs Armen, was ihm etwas besseren Halt beschert.

Alien-Formen verleihen Kämpfen Tiefgang
Manche Alien-Formen sind ausschließlich in Kämpfen nützlich. So kann es durchaus vorkommen, dass Bens Gegner ihn mit Flammenwerfern oder Säurespritzen beharken. Nutzt man in solchen Situationen klug die Alien-Formen, in denen man allerdings nur für kurze Zeit verweilen kann, so hat man im Kampf mitunter gewaltige Vorteile. 

So empfiehlt es sich beispielsweise, bei Kämpfen gegen Gegner mit Flammenwerfern in die Form eines Feuerbälle verschießenden Aliens zu schlüpfen, das mit seiner Fernkampf-Attacke einerseits beträchtlichen Schaden unter Bens Feinden anrichtet, andererseits durch eine gewisse Feuerfestigkeit überzeugt.

Teils frustrierende Jump'n'Run-Einlagen
Durch die insgesamt 13 verschiedenen Alien-Formen kommt Tiefe ins ansonsten wenig fordernde Spiel, das erst auf hohen Schwierigkeitsgraden wirklich eine Herausforderung bietet. Spielt man "Ben 10: Omniverse" auf normalen Einstellungen, so wird das stumpfe Gegner verhauen schnell eintönig – insbesondere, wenn man kein Fan der Serie ist und mit den Schauplätzen der unterirdischen Alien-Stadt Undertown sowie ihren Einwohnern eher wenig anfangen kann.

Was das Gameplay angeht, ist "Ben 10: Omniverse" durchschnittliche Action-Adventure-Kost, die vieles richtig, aber auch nichts wirklich überragend hinkriegt. Klar, die Alien-Formen sind ein nettes Extra und bringen Taktik in die oft übertrieben langen Kämpfe. Die Rätsel werden jedoch recht schnell eintönig und wiederholen sich gelegentlich sogar. Und wer die Serie nicht kennt, findet sich nicht sofort in der Welt von "Ben 10: Omniverse" zurecht – hier hätte man mit einem ausführlicheren Intro wesentlich mehr herausholen können.

Wirklich nervig sind gelegentliche Jump'n'Run-Einlagen, die mehr eine Sache des Glücks als des Könnens sind. Die automatische Kameraführung des 3D-Actionspiels positioniert die Kamera nämlich mitunter so, dass es schwerfällt, sich zurechtzufinden und die nötige Präzision an den Tag zu legen, um die Hüpfeinlagen lebend zu überstehen. Glücklicherweise gibt es ein faires Checkpoint-System, wodurch sich die Laufwege nach dem virtuellen Ableben des Helden in Grenzen halten.

Grafik im Comic-Look gehalten
Grafisch reißt "Ben 10: Omniverse" keine Bäume aus, präsentiert sich jedoch als solides Werk im durchaus passenden Comic-Look. Charaktere werden mit schwarzen Linien umrandet, wie man dies etwa aus dem - allerdings grafisch in einer anderen Liga spielenden - "Borderlands 2" kennt. Auch wenn der Detailreichtum größer sein könnte und die grafischen Fähigkeiten von Wii U, Xbox 360 oder PS3 durch dieses Spiel sicher nicht ausgereizt werden: Die Grafik ist stimmig und passt zum Game.

Dasselbe gilt für den Sound: Dem Soundtrack gelingt es, Spannung zu schüren und das Spiel dezent zu untermalen. Weniger dezent ist die Sprachausgabe. Während der Kämpfe beteuert Ben immer wieder mal: "Das ist zu leicht." Derlei Wortspenden hätte man auch weniger inflationär verwenden können, schließlich kämpft man ob der Gegnermassen quasi ohne Unterbrechung und muss sich dementsprechend ständig Bens Meldungen anhören.

Nichts auszusetzen gibt es an der Steuerung, die auch bei diesem Titel vom Wii-U-Gamepad profitiert. Über den Touchscreen können die verschiedenen Alien-Formen ausgewählt werden, Schnellwahltasten liegen auf dem Steuerkreuz. Ansonsten kommen ganz klassisch Analogsticks, Schultertasten und Aktionsknöpfe zum Einsatz. Nett: "Ben 10: Omniverse" kann in der Wii-U-Variante auch ausschließlich auf dem Gamepad gespielt werden. Das ist besonders für Eltern und Partner von Gamern angenehm.

Lichtblick: Netter kooperativer Mehrspielermodus
Ein Lichtblick im ansonsten ganz und gar durchschnittlichen Action-Adventure ist der kooperative Mehrspielermodus, bei dem der eine Spieler Ben mit seinen Omnitrix-Alienformen steuert und der andere in die Rolle von Rook schlüpft, der Feinde mit dem "Proto-Tool", einer nur für den Kampf gegen das Verbrechen geschaffenen Wunderwaffe, beharkt. 

Gerade in höheren Schwierigkeitsstufen macht dieser Modus durchaus Laune – zumindest, wenn man sich abspricht und die Aktionen der beiden Spielfiguren koordiniert. Allerdings ist auch in diesem Modus nach ungefähr sieben bis acht Stunden die Luft raus und das Spiel durchgespielt. Echte Anreize, das Spiel nochmals von vorn zu beginnen, fehlen – insbesondere, wenn man kein Fan der zugehörigen Serie ist.

Fazit: "Ben 10: Omniverse" ist ein durch und durch solides Action-Adventure mit teils nervigen Jump'n'Run-Einlagen, das von den vielfältigen Möglichkeiten profitiert, welche Bens Alien-Formen mit sich bringen. Weniges ist wirklich schlecht an diesem Titel, aber auch kaum etwas wirklich gut. Negativ fallen die Kameraführung, die teils eintönigen und viel zu häufigen Kämpfe und die sich wiederholenden Rätsel auf. Nett sind der kooperative Mehrspielermodus, die stimmige Grafik und der Soundtrack. Für Fans der Serie ist "Ben 10: Omniverse" sicher einen Blick wert, grundsätzlich handelt es sich aber um Durchschnittskost mit netten Ideen, die sich vor allem an eine junge Zielgruppe richtet.

Plattform: PS3, Wii, Wii U, Xbox 360
Publisher: Namco Bandai
krone.at-Wertung: 6/10

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