Mysteriöser Fall
Rio: Künstler tot an seinem Hauptwerk aufgefunden
Nur einen Tag vor Selaróns Tod hatte die brasilianische Zeitung "O Globo" ein Interview mit dem Künstler veröffentlicht, in dem er berichtete, er werde von einem früheren Mitarbeiter mit dem Tode bedroht. Der Mann, dessen Bruder den Drogenhandel in der Region kontrolliert hatte und mittlerweile im Gefängnis sitzt, habe zwei Mal erklärt, ihn zu erstechen, wenn er ihm nicht das Geld aus dem Verkauf seiner Bilder gebe, sagte Selarón. "Ich habe diesem Jungen sehr geholfen. Aber er ist gierig geworden, er wollte alles, die Bilder, die Gewinne."
Polizei vermutet Selbstmord
Trotz dieser Aussagen geht die Polizei jedoch Hinweisen auf einen Selbstmord nach, weil Freunde Selarón als depressiv bezeichneten. "Wir haben damit gerechnet, dass er seinem Leben ein Ende setzt", zitierte "O Globo" einen Bekannten, der anonym bleiben wollte. "Er war sehr traurig und sagte, dass er verraten wurde."
Laut den Behörden habe die Leiche des Malers und Keramikers Verbrennungen aufgewiesen, neben ihm habe eine Dose Lösungsmittel für Farbe gestanden. Eine Obduktion zur Feststellung der genauen Todesursache wurde angeordnet.
Kunstwerk als Touristenattraktion
Selaróns bekanntestes Kunstwerk ist die bunte Treppe des Santa-Tereza-Konvents (Bild 2), deren 215 Stufen er anlässlich der Fußball-WM 1994 in den USA mit Kacheln aus 60 Ländern verziert hatte. Sie gehört zu den touristischen Attraktionen von Rio de Janeiro, 2005 stufte der Bürgermeister das Kunstwerk als historisches Monument ein und machte Selarón zum Ehrenbürger der Stadt.
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