AK-Vizepräsidentin Manuela Auer und ÖGK-Obmann Andreas Huss präsentieren Zehn- Punkte-Plan für bessere medizinische Versorgung. Der Gewerkschafterin ist vor allem die hohe Zahl an Wahlärzten ein Dorn im Auge.
Unbesetzte Kassenstellen, überlange Wartezeiten bei Fachärzten, überlastete Spitalsambulanzen und Gemeinden ohne Hausärzte – Vorarlberg steht vor einem massiven Versorgungsengpass, warnen Manuela Auer und Andreas Huss. „Der Stillstand im Gesundheitssystem ist eine ernste Bedrohung“, betont die AK-Vizepräsidentin. Hauptgrund ist aus ihrer Sicht ein gravierender Mangel an Kassenärzten.
„Die Zahl der Wahlärzte hat trotz des seit Jahren bestehenden eklatanten Ungleichgewichts weiter zugenommen“, kritisiert Auer. Zwar wurde mit steigender Bevölkerungszahl auch die Zahl der Kassenärzte erhöht, jedoch nicht in dem Ausmaß wie die Wahlarztstellen zugenommen haben. Aufgrund des fehlenden Angebots an Kassenärzten haben Patienten oft keine Wahl und müssen teils Kosten bei Wahlärzten berappen.
Es ist zu befürchten, dass die Gesundheit vieler Vorarlberger aufgrund der Unterversorgung leidet.
Manuela Auer, AK-Vizepräsidentin
Die Krankenkassen erstatten zwar 80 Prozent der Kosten zurück, die als Kassentarif angefallen wären, jedoch müssen die Patienten oftmals tief in die Tasche greifen, da Wahlärzte die Tarife selbst festlegen können. „Die Folgen sind schwerwiegend“, klagt Auer. „Die Wartezeiten bei Kassenärzten nehmen zu, und auch Spitalsambulanzen werden überlastet.“ Wer sich den Arztbesuch nicht leisten kann, bleibt daheim, was langfristig zu mehr chronischen Krankheiten und schwereren Problemen führt.
Weiters bemängelt Auer einen eklatanten Mangel an Physiotherapieangeboten. 28 Kassenstellen gibt es. „Bei 400.000 Einwohnern, davon 210.000 Erwerbstätigen, muss von einer akuten Unterversorgung gesprochen werden.“
Schlecht ausgebaut ist laut Huss die psychosoziale Versorgung. Die kassenfinanzierte Psychotherapie wird durch das IfS erbracht, allerdings werden dort nur 1,1 Prozent der Anspruchsberechtigten betreut. „Wir brauchen psychosoziale Versorgungszentren für Erwachsene, Kinder und Jugendliche“, meint der ÖGK-Obmann.
Aus Sicht von Auer und Huss sind nun die Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene sowie jene der ÖGK und der Ärztekammer gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um einem Versorgungsengpass zu verhindern.
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