Wieder im Amt

Tiroler Gläubige gegen umstrittenen Diakon

Österreich
03.01.2013 15:32
Keine Spur von Weihnachtsfrieden in Tirol: Die Wiedereinsetzung eines umstrittenen Diakons in der Pfarre seines Wohnortes verärgert Teile der Pfarrgemeinde. Der Mann wurde im Vorjahr wegen Amtsmissbrauchs in erster Instanz schuldig gesprochen und stand wegen sexueller Nötigung vor Gericht. Dieses Verfahren endete im Zweifel mit einem Freispruch.

Der ranghohe Mitarbeiter der Tiroler Sicherheitsdirektion war im Juni 2012 vor Gericht gestanden. Ihm wurde vorgeworfen, eine Bewerberin in seinem Büro sexuell bedrängt zu haben. Laut Aussage des Polizisten habe er die Frau auf ihre Initiative drei Mal geküsst. Dass es zu sexuellen Berührungen gekommen sei, stritt er ab. Das Landesgericht Feldkirch sprach ihn vom Vorwurf der Nötigung frei. 

Im Zuge der Verhandlung wurde allerdings bekannt, dass der mehrfache Familienvater mit anderen Frauen Sex auf der Couch in seinem Büro hatte. Der Mann wurde erstinstanzlich wegen Amtsmissbrauchs zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt.

Bei Polizei suspendiert, für Kirche vertretbar
Die Polizei hat ihren Mitarbeiter vor drei Jahren vom Dienst suspendiert und seine Bezüge um ein Drittel gekürzt. Über die berufliche Zukunft des Mannes werde erst entschieden, heißt es aus dem Öffentlichen Dienst. Die Kirche hat den Mann dagegen teilweise rehabilitiert. Er ist nach einer dreijährigen Unterbrechung seit Kurzem wieder als Diakon in seiner Heimatpfarre tätig. Das bestätigt Generalvikar Jakob Bürgler. 

Er verweist auf den Freispruch in Sachen geschlechtlicher Nötigung. Die Entscheidung, den Spitzenpolizisten wieder als Diakon arbeiten zu lassen, sei nach Rücksprache mit einem Seelsorger und dem zuständigen Dekan getroffen worden. Der örtliche Pfarrgemeinderat sei nicht befragt worden.

Widerstand im Kirchenvolk
Bürgler gibt jedoch zu, dass die Personalie bei einzelnen Gläubigen auf Unverständnis stoße. Einige hätten sich mit ihrem Protest an die Diözese Innsbruck gewandt. Dort steht man hinter der Entscheidung, wolle aber die noch ausständigen Gerichtsverfahren gegen den Diakon abwarten. Die Urteile könnten weitere Entscheidungen beeinflussen, so ein Sprecher der Diözese gegenüber der APA.

Christmette boykottiert
Wie der ORF Tirol berichtet, haben einige Gläubige im Wohnort des Polizisten ihren Unmut auch am Heiligen Abend kundgetan. Sie haben die Christmette in ihrer Heimatpfarre boykottiert und seien in Nachbargemeinden ausgewichen – im "Heiligen Land" Tirol ein deutliches Zeichen. 

Während das Kirchenvolk also gespalten ist, steht zumindest die Familie weiter hinter dem Betroffenen, berichtet die Diözese. Man habe nachgefragt, ob Gattin und Kinder mit der Wiederberufung des Diakons einverstanden seien. Die Unterstützung der Angehörigen sei ein wichtiges Argument in der Entscheidung gewesen.

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