GUTEN MORGEN

Einprägsame Worte | Bei Spaltung mitspielen

Einprägsame Worte. Er spricht nicht oft. Aber wenn er spricht, dann meist mit durchaus eindrucksvollen, einprägsamen Worten – die durchaus nicht allen gefallen. Im Vorjahr hatte Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Eröffnung der Bregenzer Festspiele zu einer harten Schelte der Innenpolitik genützt. Da hatte er unter anderem gemeint, dass „es scheine, als ob sich manche Dinge in unserem Land nicht in die richtige Richtung entwickeln“, er hatte gemeint, dass „in unserem Land“ gerade einige Fenster zerbrochen würden – und das müsse aufhören. Besonderes Missfallen zeigte der Präsident vor einem Jahr über die von der ÖVP damals losgetretene „Normalitäts“-Debatte, aber auch den von der SPÖ im Sommer 2023 besonders strapazierten Ausdruck „unsere Leute“ kritisierte er scharf. Gemeint hatte er im Juli vor einem Jahr auch, er fühle sich „manchmal wie im Hochwahlkampf“ – und das sei kein schönes Gefühl. So bestand vor seinem Auftritt bei der Eröffnung 2024 , wo wir uns nun wirklich mehr oder weniger im Hochwahlkampf befinden, einige Spannung. Würde er seine Kritik aus dem Vorjahr vertiefen? Oder sanftere Töne anschlagen?

Bei Spaltung mitspielen. Van der Bellen stellte gestern am Bodensee zunächst gleich einmal fest, dass die Eröffnung dieser Festspiele für ihn jedes Jahr aufs Neue eine „wunderbare Gelegenheit ist, kurz ein bisschen unbequem zu werden.“ Thematisch sei das keine große Herausforderung – sei doch beinahe alles gerade entweder aufgeregt oder frustriert. „Vielleicht“, stellte er in den Raum, „sind Sie, sind wir nur ,endgenervt´ von der Art und Weise, wie wir darüber sprechen. Die Welt, über die wir öffentlich sprechen, ist ganz einfach. Sie ist blitzschnell erklärt. Sie ist eindeutig. Etwas ist entweder schwarz oder weiß, groß oder klein, oben oder unten, gut oder böse.“ Dazwischen gebe es nichts. In dieser Welt sei man „Entweder-Oder“: Klimaterrorist oder Luftverpester, Wutbürger oder Gutmensch, Schwurbler oder Schlafschaf, Freund oder Feind. Das sei zwar praktisch, aber gefährlich. Weil dieses Entweder-Oder spalte. Schließlich sei nicht jeder, der auf einem Rad sitzt, ein Ökofanatiker und nicht jeder, der ein Schnitzel isst, ein Klimasünder. Wir in Österreich seien „doch immer gut damit gefahren, wenn bei uns alles ein bisschen entspannter war“. Aber leider gebe es „Kräfte, die unsere wunderbare, österreichische Widersprüchlichkeit nicht als Brücke zueinander nutzen, sondern als Instrument der Spaltung“, die keine Nuancen, nur Unterschiede sehen, nicht das Gemeinsame, nur  das Trennende. Spaltung sei kein Natugesetz, sie passiere aber auch, „weil so viele mitspielen“. Ohne Namen zu nennen wieder eine sehr direkte Botschaft. Ob sie aber von jenen gehört wird, die das „mitspielen“? Gehört wahrscheinlich schon. Aber sie werden das Spiel weiter betreiben. Wir sind im Hochwahlkampf!

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

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