Fr, 22. Juni 2018

Friedensappell

25.12.2012 14:25

Papst fleht: "Das Blutvergießen muss endlich enden"

Papst Benedikt XVI. hat am ersten Weihnachtsfeiertag den apostolischen Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis - gespendet. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verlas er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüße. Schon bei der Christmette in der Nacht hatte der 85-jährige Pontifex zudem für Frieden im Nahen Osten gebetet, am Dienstag appellierte er vor allem an die Konfliktparteien in Syrien, endlich die Waffen niederzulegen.

Das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken sprach Dienstagmittag von der Mittelloggia des Petersdomes zu den Gläubigen. Zehntausende hatten sich dazu bei wolkenverhangenem Himmel auf dem weiten Areal vor der Basilika versammelt. Auf Deutsch sagte der Papst: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade, sein Friede möge in euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"

"Die Bevölkerung Syriens ist verletzt und geteilt"
Eindringlich forderte Benedikt ein Ende der Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien. "Noch einmal rufe ich dazu auf, das Blutvergießen zu beenden, die Hilfeleistungen für die Flüchtlinge und Evakuierten zu erleichtern und auf dem Weg des Dialogs eine politische Lösung für den Konflikt zu verfolgen. Ja, möge der Frieden hervorsprossen für die Bevölkerung Syriens, die zutiefst verletzt und geteilt ist durch einen Konflikt, der nicht einmal die Wehrlosen verschont und unschuldige Opfer hinwegrafft."

Benedikt forderte die Menschen auf, die Hoffnung nicht zu verlieren. Selbst in Krisenländern sollten die Gläubigen nicht verzweifeln. An alle Beteiligten im Nahen Osten appellierte er, allzu vielen Jahren der Kämpfe und Spaltungen ein Ende zu setzen und mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg einzuschlagen.

Mahnende Worte an Ägypten, Mali, Nigeria, China
Die Menschen in den Umbruchstaaten im Norden Afrikas forderte er auf, gemeinsam Gesellschaftsformen aufzubauen, die auf Gerechtigkeit und Achtung der Freiheit und der Würde jedes Menschen gegründet seien. Dies gelte besonders für Ägypten, dieses geschätzte und durch die Kindheit Jesu gesegnete Land.

Der Papst verurteilte die von Islamisten verübte Gewalt in Nigeria und Mali. "Das Geburtsfest Christi begünstige die Wiederkehr des Friedens in Mali und der Eintracht in Nigeria, wo grausame terroristische Attentate weitere Opfer fordern, besonders unter den Christen."

Nach China wiederum sandte Benedikt am Dienstag den Wunsch, dass "der Beitrag der Religionen - in der Achtung einer jeden gegenüber - so zur Geltung gebracht werde, dass diese beim Aufbau einer solidarischen Gesellschaft mitwirken können, zum Wohl jenes edlen Volkes und der ganzen Welt". China erlaubt es den Katholiken nicht, den Papst als ihr Oberhaupt anzuerkennen.

"Haben immer weniger Zeit"
Benedikt XVI. hatte in der Nacht zuvor mit ebenfalls Tausenden Gläubigen im Petersdom die Christmette zelebriert (weitere Bilder). In der Basilika rief er dabei unter anderem die Menschen zur Abkehr von Materialismus und Ichbezogenheit auf. "Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir", so der Papst in seiner Predigt. Das betreffe auch unser Denken und Fühlen. "Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden."

"Religion kann erkranken"
Das Kirchenoberhaupt rief weiters zur Wachsamkeit gegenüber dem Missbrauch von Religion auf. Es sei "wahr, dass der Monotheismus als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient" habe. Auch sei wahr, "dass Religion erkranken" könne, wenn der Mensch meine, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu müssen und "so Gott zu seinem Privateigentum" mache. Aber auch "wenn Missbrauch der Religion" in der Geschichte unbestreitbar sei, so "ist es doch nicht wahr, dass das Nein zu Gott den Frieden herstellen würde".

Bereits bei der nächtlichen Mette war Benedikt auf die Krisengebiete der Welt eingegangen: "Beten wir in dieser Stunde für die Menschen, die heute im Heiligen Land leben und leiden. Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können. Beten wir auch für die umliegenden Länder, für den Libanon, für Syrien, den Irak und so fort: dass dort Friede werde", sagte er. "Dass die Christen in diesen Ländern des Ursprungs unseres Glaubens dort ihr Zuhause behalten können, dass Christen und Muslime im Frieden Gottes miteinander ihre Länder aufbauen."

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