In den europapolitischen Debatten gilt die italienische Premierministerin Giorgia Meloni seit einiger Zeit gewissermaßen als „Vorzeige-Rechte“. Die geläuterte Postfaschistin ist längst zur glühenden Europäerin geworden, amerikatreu und auf der Seite der Ukraine. Was das Problem der illegalen Migration betrifft, geht sie nun auch neue Wege, von denen sie hofft, dass sie von anderen Staaten nachgeahmt werden. Italien hat nämlich im vorigen Jahr mit dem jenseits der Adria liegenden Albanien ein Abkommen zur Errichtung zweier Auffanglager abgeschlossen.
EINERSEITS klingt dies zuerst einmal vernünftig, allzumal solche Lager an den Außengrenzen ja auch dem neuen europäischen Asylpakt entsprechen.
ANDERERSEITS sind die Kosten dieses Projekts horrend. Etwa 650 Millionen Euro allein für fünf Jahre soll Rom auf den Tisch legen. Und wer die Zustände in Albanien kennt, weiß, dass ein guter Teil dieses Geldes in den dortigen Sümpfen versickern dürfte.
Korruption und Chaos
Kein Wunder also, dass die beiden für etwa 3000 Migranten geplanten Lager keineswegs fertig waren, als Meloni vor wenigen Wochen ihren albanischen Amtskollegen Rama besuchte. Dieser erklärte allerdings, dass er dafür nicht verantwortlich sei, da Albanien nur das Gelände zur Verfügung stelle und alles andere Sache Italiens sei. Dass das Ganze also ein Vorzeigeprojekt für andere Staaten wird, darf angesichts der albanischen Korruption und des italienischen Chaos bezweifelt werden.
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