Di, 18. Dezember 2018

"Krone" vor Ort

01.12.2012 16:11

Normalität kehrt nach Ultimatum im Asylzentrum ein

901 Flüchtlinge halten sich derzeit im Asylzentrum in Niederösterreich auf. Vor einer Woche waren es noch rund 1.500 Menschen. 24 Stunden nach dem "Tag X" - die Bundesländer haben, wie berichtet, im letzten Moment doch noch die Vorgaben des Asylgipfels großteils erfüllt - ist in Traiskirchen wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Doch was bedeutet Normalität in einem Asylzentrum eigentlich?

"Wir waren gerade im Ort und haben Fladenbrot eingekauft", erzählen zwei Männer aus Afghanistan beim "Krone"-Lokalaugenschein. Die Sonne strahlt, ein kalter Herbstwind kündigt den nahenden Winter an. Eingemummt in ihre Daunenjacken marschieren die jungen Flüchtlinge in ihre Unterkunft. Für sie ist Traiskirchen so etwas wie eine Heimat. Nach der wochenlangen Flucht in den Fängen der Menschenschlepper-Mafia gleicht der Gebäudekomplex am Ortsrand der Gemeinde einem sicheren Hafen.

Hier warten die beiden Afghanen das Ende ihres Asylverfahrens ab. So wie auch 899 andere Menschen aus Dutzenden Ländern. Von dem ganzen Wirbel rund um Asylgipfel, Protestmarsch in Wien (siehe Infobox) und politische Instrumentalisierung haben sie bestenfalls am Rande etwas mitbekommen - und es hätte sie vermutlich auch nicht wirklich interessiert.

"Wir tun unser Möglichstes für alle"
Franz Schabhüttl, der Leiter der Betreuungsstelle Ost, führt über das weitläufige Gelände. Kaum jemand kennt das Zentrum so gut wie er. Fast sein halbes Leben hat er hier verbracht. Es geht vorbei am Spielplatz zum Frauen- und Kindertreff, wo sich Mütter mit ihren Kleinen zurückziehen können. Im Inneren des Holzgebäudes spielen Buben aus Pakistan Karten, basteln unter der Anleitung einer Pädagogin für Weihnachten.

Brandschutz setzt Kapazität Grenzen
Zwei Gehminuten entfernt, gleich neben dem Sportareal, befindet sich die Bekleidungskammer. "Jeder Flüchtling wird bei uns mit Winterbekleidung und Schuhen ausgestattet", erzählt Schabhüttl. Die Lager sind mit Jacken, Stiefeln und Pullovern gefüllt. "Wir tun unser Möglichstes für alle." Aber Probleme gibt es laut Schabhüttl dennoch: "Wir dürfen im Hauptgebäude aufgrund von Brandschutzbestimmungen derzeit nur 286 Leute unterbringen. Das macht die Sache und die Verwaltung schwieriger", berichtet der Leiter.

Nun ist wieder so etwas wie Normalität eingekehrt im Erstaufnahmezentrum. 901 Flüchtlinge sind hier jetzt noch untergebracht, immer noch fast doppelt so viele wie offiziell vorgeschrieben. In der Küche bereitet das Team das Mittagessen vor. Auf dem Speiseplan steht Curry-Hühnerragout mit Reis und Salat, für Vegetarier gibt es Gemüserisotto. Normalität eben.

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