Erpressungsaffäre
Sex- und Korruptionsskandal erschüttert China
2007 begann die verhängnisvolle Affäre, als Lei beim Liebesspiel mit einer damals 18-Jährigen gefilmt wurde, berichtet das "Time"-Magazin online. Das Video soll auf Befehl eines Bauunternehmers, der Lei erpressen wollte, aufgenommen worden sein.
Vergangene Woche gelangten die Aufnahmen über chinesische Journalisten ins Internet, wo der 36-sekündige Clip des nackten Parteisekretärs mit Glatze und Wohlstandsbauch für reichlich Wirbel sorgte. Gegenüber der "Beijing Times", einer Zeitung der Kommunistischen Partei, sagte Aufdecker Zhu Ruifeng, ihm sei das Video von Polizisten aus Chongqing zugespielt worden.
Bauaufträge an Bruder vergeben
Die Beamten wiederum sollen das Video von Lei selbst erhalten haben, der eine Untersuchung über den Erpresser verlangte. Ins Visier des Bauunternehmers war Lei offenbar wegen seines Bruders Lei Zhengkui geraten, dem er zahlreiche Bauprojekte in Chongqing zugeschanzt haben soll. Große Summen habe Lei Zhengfu durch illegale Geschäfte mit seinen Verwandten angehäuft, so die Vorwürfe des Journalisten Zhu.
Angeblich fünf weitere belastende Videos
Am Freitag musste Lei Zhengfu aufgrund der laufenden Korruptionsuntersuchung sein Büro räumen. Doch es könnte noch mehr Offizielle erwischen: Zhu besitzt eigenen Angaben nach fünf weitere Sexvideos, auf denen führende Persönlichkeiten der Kommunistischen Partei in Chongqing zu sehen sind. Er werde auch diese Aufnahmen veröffentlichen, sobald er die Identität der Abgebildeten bestätigen könne, kündigte Zhu an.
Korruption unter Parteioberen weit verbreitet
Lei ist der Letzte in einer langen Reihe von Parteioberen, denen Sex und Korruption zum Verhängnis wurden. So wurde zum Beispiel sein vormaliger Chef Bo Xilai, der Parteichef von Chongqing, im September aus dem Amt entfernt (siehe Infobox). Ihm werden zahlreiche Affären, Korruption, Machtmissbrauch, das Abhören von Politikern und sogar Mord vorgeworfen. Der frühere Eisenbahnminister Liu Zhijun, der 18 Geliebte gehabt haben soll, wartet derzeit auf eine Korruptionsanklage. Chen Liangyu, früherer Parteisekretär in Shanghai, wurde 2008 wegen der Annahme von riesigen Summen an Bestechungsgeldern zu 18 Jahren Haft verurteilt. Er soll außerdem gegen sexuelle Gefälligkeiten seine Hilfe angeboten haben.
Neuer Parteichef wettert gegen Korruption
Obwohl der nunmehrige Skandal wieder einmal ein schlechtes Licht auf die überbordende Vetternwirtschaft in China wirft, kommt er dem neuen Parteichef der Kommunisten wohl nicht ungelegen. Erst wenige Tage vor der Veröffentlichung des Sexvideos hatte Xi Jinping eindringlich gewarnt, dass die "Korruption die Partei töten und das Land ruinieren könnte". In einer Anspielung auf den Arabischen Frühling sagte er, Korruption habe in anderen Ländern zu sozialen Unruhen und Umstürzen geführt.
Aufklärung ja - aber nur in Maßen
Ob die politische Führung an einer lückenlosen Aufklärung und Unterbindung von Korruption tatsächlich interessiert ist, darf allerdings bezweifelt werden: China blockiert etwa seit Oktober die Website der "New York Times", die den angehäuften Reichtum des chinesischen Premiers Wen Jiabao unter die Lupe genommen hatte (siehe Infobox). Und auch die Website der Finanznachrichtenagentur Bloomberg wird blockiert, nachdem diese über millionenschwere Investments von Parteichef Xi selbst berichtet hatte.
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