4 Jahre nach Terror
Letzter Angreifer von Mumbai in Indien gehängt
Bis zuletzt hatte die indische Regierung die Hinrichtung von Mohammed Ajmal Amir Iman, auch bekannt als Kasab, streng geheim gehalten. Am frühen Morgen wurde der 24-Jährige im Yerwada-Gefängnis von Pune im westlichen Bundesstaat Maharashtra gehängt - fast auf den Tag genau vier Jahre nach der Terrorserie in der westindischen Finanzmetropole. Kasab war Anfang Mai 2010 zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Sein juristischer Kampf gegen das Urteil blieb erfolglos. Erst kürzlich wies Indiens Präsident Pranab Mukherjee ein Gnadengesuch Kasabs endgültig ab.
TV: "Nation feiert die Hinrichtung"
"Mumbais Metzger gehängt", meldete der Nachrichtensender Headlines Today am Mittwoch. Und im Laufband des Nachrichtensenders Times Now flimmerte über den Bildschirm: "Die Nation feiert die Hinrichtung." Das stimmte so pauschal nicht, es gab durchaus Stimmen, die den Tod Kasabs nicht als Genugtuung empfanden. In der öffentlichen Debatte überwog am Mittwoch aber klar die andere Seite. Der Sozialaktivist Anna Hazare, der mit seiner Anti-Korruptions-Kampagne international bekannt wurde, wurde in indischen Medien mit den Worten zitiert, Kasab hätte lieber öffentlich statt hinter Gefängnismauern gehängt werden sollen.
Zwar weigert sich Indien, die Todesstrafe abzuschaffen. Richter dürfen Todesurteile aber nach einem Urteil des Verfassungsgerichtes in den "seltensten von seltenen Fällen" verhängen. Was genau solche extremen Ausnahmefälle ausmacht, ist nicht genau definiert. Klar war aber, dass die Angriffe von Mumbai in diese Kategorie fallen mussten. Vollstreckt wird die Todesstrafe aber nur extrem selten. Kasabs Hinrichtung war die erste seit 2004 und erst die zweite seit 1995.
Zehn Männer hielten ganz Indien in Atem
Nur zehn Mann gelang es damals, ganz Indien über 60 Stunden hinweg in Schockstarre zu versetzen. Die Angreifer waren übers Meer aus der pakistanischen Hafenstadt Karachi gekommen, sie konnten unbehelligt an Mumbais Küste landen. Am Abend des 26. November 2008 begannen sie ihre koordinierten Angriffe. Sie verschanzten sich in Luxushotels - darunter das berühmte "Taj Mahal" - und stürmten ein jüdisches Gemeindezentrum, sie griffen den Hauptbahnhof und ein Café an.
Erst am 29. November war das Blutbad beendet, das weltweit für Entsetzen sorgte. Die furchtbare Bilanz: 166 Menschen wurden von den Terroristen ermordet. Unter den 28 ausländischen Opfern waren drei Deutsche. Auch neun Angreifer starben, Kasab wurde verwundet gefasst. Bald danach gelangte Indien zu der Überzeugung, dass die Angreifer von der aus Pakistan heraus operierenden Terrororganisation Lashkar-e-Taiba (Armee der Reinen) geschickt worden waren.
Friedensprozess mit Pakistan nach Bluttat auf Eis gelegt
Die indische Regierung legte den Friedensprozess mit dem Erzrivalen Pakistan auf Eis. Die Angst vor einem bewaffneten Konflikt zwischen den beiden Atommächten stand im Raum, der unabsehbare Konsequenzen hätte haben können. Schließlich haben die Nachbarn seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft bereits drei Kriege miteinander ausgefochten.
Zwar blieb eine Katastrophe aus. Doch bis heute belasten die Angriffe von Mumbai das bilaterale Verhältnis schwer. Indien verdächtigt Pakistan weiterhin, Terroristen, die Angriffe in Indien planen, nicht zu bekämpfen - oder sie sogar heimlich zu unterstützen. Mittlerweile reden Indien und Pakistan wieder miteinander. Doch das Misstrauen besonders in Neu Delhi sitzt tief. Und niemand weiß, ob Indien ein weiteres Mal besonnen reagieren würde, sollte Terroristen aus Pakistan erneut ein Angriff wie in Mumbai gelingen.
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