Wurde 85 Jahre

Büchner-Preisträger Kappacher ist verstorben

Salzburg
24.05.2024 17:22

Walter Kappacher ist tot. Der Schriftsteller wurde 2009 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und starb im Alter von 85 Jahren.

Der Salzburger Autor Walter Kappacher ist heute, Freitag, im Alter von 85 Jahren verstorben. Der Müry Salzmann Verlag bestätigte dies gegenüber der APA. Kappacher, der ab dem Alter von 40 Jahren als freier Autor arbeitete, wurde 2009 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Kappacher war einer der Bescheidensten und Stillsten im Literaturbetrieb. Er fühle sich keineswegs als literarischer Sonderling, hatte Kappacher einmal in einem APA-Interview beteuert. „Ich habe mich durchaus engagiert in verschiedenen literarischen Kreisen. Aber in den Gesprächen mit den Dichtern ist es immer nur um Vermarktung und Erfolg gegangen und kaum einmal um das Schreiben selbst.“ Lieber als mit dem literarischen Betrieb beschäftige er sich mit dem Entstehen neuer Texte, so der Autor damals. „Ich gehe, träume und meditiere täglich, beim Gehen lade ich die Batterien meiner Fantasie auf. Dann versuche ich ganz einfach, gute Sätze aufzuschreiben.“

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Ich gehe, träume und meditiere täglich, beim Gehen lade ich die Batterien meiner Fantasie auf. Dann versuche ich ganz einfach, gute Sätze aufzuschreiben.

Autor Walter Kappacher

„Brutale Zurückhaltung“, nannte Martin Walser – ein früher, entscheidender Förderer Kappachers – diesen Wesenszug seines Kollegen, der gleichwohl mit höchsten Auszeichnungen geehrt wurde: mit dem Hermann-Lenz Preis (2004), dem großen Kunstpreis für Literatur des Landes Salzburg (2006), dem Georg Büchner-Preis (2009).

Gelernter Mechaniker
Geboren wurde Walter Kappacher am 24. Oktober 1938 in der Stadt Salzburg. Er lernte Motorrad-Mechaniker, kokettierte mit einem Einstieg in den Rennsport und machte auch erste Gehversuche als Schauspieler. Aber die Literatur war stärker – 1967 veröffentlichte er über Walsers Vermittlung seine ersten Kurzgeschichten in der „Stuttgarter Zeitung“. Acht Jahre später erschien sein Buch „Morgen“. Im Alter von 40 Jahren ließ er sich schließlich ganz auf das Schreiben ein, kündigte in seinem Brotberuf als Reisebüro-Kaufmann und versuchte sich als freier Autor durchzusetzen.

Von da an folgten unter anderem die Romane „Rosina“, „Silberpfeile“ und „Selina oder das andere Leben“, die Erzählungen „Die irdische Liebe“ und „Wer zuerst lacht“ sowie Hörspiele und Drehbücher, darunter „Die Jahre vergehen“. Danach erschienen der überarbeitete Roman „Der lange Brief“, der Essay „Hellseher sind oft Schwarzseher“ und der hochgelobte Roman „Der Fliegenpalast“ (2009), in dem sich Kappacher Hugo von Hofmannsthal widmete.

Letztes Buch 2018
Nach dem Roman „Land der roten Steine“ (2012) erschienen „Die Amseln von Parsch“ (2013) und „Trakls letzte Tage & Mahlers Heimkehr“ (2014). „Abschied“, Kappachers Monolog über Georg Trakl, wurde 2014 im Rahmen der Salzburger Festspiele in der Salzburger ARGEkultur uraufgeführt und trug dem französischen Regisseur Nicolas Charaux den „Young Directors Award“ ein. In seinem 2018 erschienenen Prosaband „Ich erinnere mich“ reihte Kappacher Lebenserinnerungen lose aneinander, lapidar, aber nicht immer linear: Kindheitseindrücke, scheinbare Banalitäten des Alltags, Begegnungen mit Büchern und Menschen. Es war sein letztes Buch.

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So bescheiden und still Walter Kappacher im persönlichen Auftreten war, so laut und deutlich spricht sein Werk für sich.

Kunst- und Kulturstadträtin Andrea Mayer (Grüne)

„So bescheiden und still Walter Kappacher im persönlichen Auftreten war, so laut und deutlich spricht sein Werk für sich“, würdigte Kunst- und Kulturstadträtin Andrea Mayer (Grüne) den Schriftsteller via Aussendung. Seine Erzählkunst spiegle „die unverwechselbare Fähigkeit wider, menschliche Erfahrungen und Emotionen in Prosa zu verdichten. Es ist tröstlich, dass sein Vermächtnis in seinen Büchern weiterleben wird.“

Ö1 sendet am Sonntag, 16. Juni (14.15 Uhr), ein „Menschenbild“ über den verstorbenen Autor. „Beobachten, Zeichnen, Beschreiben – Der Schriftsteller Walter Kappacher“ nennt sich das 45-minütige Radioporträt.

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