Mi, 24. Oktober 2018

"Streif am Horizont"

24.10.2012 13:20

Champ Klitschko will bei Ukraine-Wahl zuschlagen

Wenn die Ukrainer am Sonntag ein neues Parlament wählen, ruhen die Hoffnungen vieler Menschen auf Box-Champ Vitali Klitschko. Der 41-Jährige hat den Ring vorübergehend verlassen und will nun auf der politischen Bühne für ein K.o. von Präsident Viktor Janukowitsch sorgen. Die Chancen von "Dr. Faust", der 41 seiner 45 Siege im Schwergewicht durch Knockout errang, stehen dabei gar nicht schlecht.

In aktuellen Umfragen liegt Klitschkos liberale Partei Udar (Schlag) mit rund 16 Prozent der Stimmen auf Platz zwei hinter der regierenden Partei der Regionen von Janukowitsch mit etwa 23 Prozent. Auf das Oppositionsbündnis, zu dem auch die pro-westliche Vaterlandspartei der inhaftierten Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko gehört, entfallen demnach 15 Prozent.

Damit könnte Klitschko die Rolle des Königsmachers zukommen. Dass er einen Regierungswechsel durchboxen will, hat er bereits klargemacht, indem er eine Koalition mit der Partei der Regionen ausschloss. "Diese Partei hat ihren Ruf ruiniert", argumentierte der zwei Meter große Sportler. "Jede Verbindung zu dieser Partei ist unmöglich."

Der promovierte Sportwissenschaftler ist besonders für viele Ukrainer unter 30 Jahren der neue Hoffnungsträger. Rund acht Jahre nach der Orangen Revolution ist die einstige Aufbruchsstimmung verpufft. Eine ihrer Galionsfiguren, Timoschenko, sitzt im Gefängnis, wodurch die Opposition geschwächt ist.

"Symbol der Hoffnung", "heller Streif am Horizont"
"Die Wähler sehen in Klitschko die neue Opposition. Er wird als neues Symbol der Hoffnung wahrgenommen", sagt der ukrainische Politikwissenschaftler Wolodimir Fesenko. "Die Wähler brauchen einen Hoffnungsschimmer, und für diejenigen, die der Opposition zuneigen, ist Klitschko der helle Streif am Horizont."

Klitschko erfülle alle Anforderungen an einen "ukrainischen Helden", erklärt auch Michailo Pogrebinski vom Kiewer Zentrum für Politische Forschung: "Er ist groß, attraktiv, männlich." Der Anführer des Oppositionsbündnisses, Arseni Jazenjuk, werde von der ukrainischen Öffentlichkeit, für die Personen wichtiger als Wahlprogramme sind, hingegen eher als "Populist und Mama-Söhnchen" wahrgenommen.

Klitschko, den das Image eines Saubermanns umgibt, wirft Janukowitsch und dessen Partei vor, nur die Interessen der Oligarchen zu unterstützen, die ihm auch zur Macht verholfen haben. Politische Beobachter sehen den Box-Champion schon als Herausforderer Janukowitschs, dessen Amtszeit als Präsident in zweieinhalb Jahren endet. Zu Ambitionen auf das höchste Staatsamt hat sich Klitschko indes noch nicht geäußert.

Korruption, Günstlingswirtschaft und Armut im Visier
Klitschkos nach westlichem Vorbild gegründete Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen (Udar) will zunächst mit der weit verbreiteten Korruption und Günstlingswirtschaft Schluss machen und hat der Armut in der früheren Sowjetrepublik mit ihren 46 Millionen Einwohnern den Kampf angesagt.

Die regierende Partei der Regionen will hingegen ihre Mehrheit im 450 Sitze umfassenden Parlament verteidigen und damit gleichzeitig die Macht Janukowitschs zementieren. Der gibt sich derweil gelassen. Für ihn ist die Abstimmung am Sonntag nur eine Etappe auf dem Weg zur Präsidentenwahl 2015. Die von westlichen Ländern vorgeschlagenen schmerzhaften Reformen wie die Erhöhung der Gaspreise sind für ihn offiziell kein Thema. "Die unpopulären Maßnahmen haben wir schon längst alle angepackt", sagte Janukowitschs Wahlkampfleiter und Sicherheitsberater Andrij Kljuew.

Allerdings ist die Zustimmung der Ukrainer zur Janukowitsch-Partei wegen Steuererhöhungen und umstrittener rentenpolitischer Vorhaben zuletzt geschwunden. Die vornehmlich pro-russische Partei setzt sich auch für eine Annäherung an Europa ein - allerdings sind die Beziehungen zur EU wegen des Timoschenko-Verfahrens auf einem Tiefpunkt angekommen.

Harte Bandagen: "Es wird ein Kampf ohne Regeln"
Der schlagkräftige Klitschko, der bereits zweimal vergeblich versucht hat, zum Bürgermeister von Kiew gewählt zu werden, macht sich auch in der Politik auf einen harten Kampf bereit. Damit spielt er aber nicht auf Raufereien zwischen Abgeordneten an, die es in der Vergangenheit wiederholt im ukrainischen Parlament gegeben hat.

"Es wird ein Kampf ohne Regeln", sagt Klitschko. Wahlbetrug sei in der Ukraine an der politischen Tagesordnung. Auch wenn seine Partei bei der Wahl am Sonntag erfolgreich sein sollte, kann sich Klitschko ihrer Unterstützung nicht sicher sein: In der Ukraine kommt es immer wieder vor, dass Abgeordnete gegen Geld die Fraktionen wechseln.

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