Druck aus Frankreich

AfD: Auftrittsverbot für eigenen Spitzenkandidaten

Ausland
22.05.2024 10:24

Politischer Paukenschlag am Mittwochvormittag in Deutschland: Die rechtspopulistische Partei AfD hat ein komplettes Auftrittsverbot für ihren eigenen EU-Spitzenkandidaten Maximilian Krah verhängt. Der Bundesvorstand  reagiert damit auf die unzähligen Skandale des 47-Jährigen. 

Das Auftrittsverbot für den umstrittenen Politiker gelte für alle Wahlkampfveranstaltungen der AfD und für andere Veranstaltungen der Bundespartei, bestätigte ein Parteisprecher der Nachrichtenagentur AFP nach einer Telefonkonferenz des Bundesvorstands am Mittwoch.

Krah tritt als Mitglied des Bundesvorstandes zurück
Krah erklärte selbst auf X, er verzichte auf weitere Wahlkampfauftritte und trete als Mitglied des Bundesvorstands zurück. „Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Ich nehme zur Kenntnis, dass sachliche und differenzierte Aussagen von mir als Vorwand missbraucht werden, um unserer Partei zu schaden. Das Letzte, was wir derzeit brauchen, ist eine Debatte um mich. Die AfD muss ihre Einigkeit bewahren. Aus diesem Grunde verzichte ich ab sofort auf weitere Wahlkampfauftritte und trete als Mitglied des Bundesvorstands zurück.“

Auch Nummer 2 auf AfD-Liste soll nicht mehr auftreten
Wie es nun mit dem Europawahlkampf der AfD weiter geht, ist unklar. Auch die Nummer zwei auf der Europaliste, Petr Bystron, soll wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen nach dem Willen der Parteispitze nicht mehr auftreten.

Druck aus Frankreich als Hauptgrund
Hintergrund für Krahs Auftrittsverbot ist die Ankündigung des französischen Rassemblement National vom Dienstag, die Zusammenarbeit mit der AfD im EU-Parlament aufzukündigen.

Die AfD verhängt ein Auftrittsverbot für ihren Europa-Spitzenkandidaten Maximilian Krah.
Die AfD verhängt ein Auftrittsverbot für ihren Europa-Spitzenkandidaten Maximilian Krah.(Bild: AFP)

AfD arbeitet in Brüssel mit Le Pens Partei und FPÖ zusammen
Die AfD-Spitze würde die Zusammenarbeit mit dem RN gerne fortsetzen, wie es aus Parteikreisen hieß. Die AfD arbeitet im EU-Parlament mit der Partei Le Pens, der italienischen Lega und der FPÖ in der Fraktion ID (Identität und Demokratie) zusammen.

Schon seit Längerem gibt es zwischen der AfD und dem RN Unstimmigkeiten. Nach den Enthüllungen des Medienhauses Correctiv über ein Rechtsradikalen-Treffen in Potsdam im Jänner hatte Le Pen deutliche Kritik geäußert.

Marine Le Pen ist die Politik der AfD zu radikal. Ihre Partei beendet die Kooperation mit den ...
Marine Le Pen ist die Politik der AfD zu radikal. Ihre Partei beendet die Kooperation mit den Deutschen.(Bild: APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN)

Aufregung nach SS-Sager
Nach französischen Medienberichten geht es um ein Interview Krahs in der italienischen Zeitung „La Repubblica“ vom Wochenende. Darin behauptete er, nicht alle Mitglieder der SS seien kriminell gewesen. „Ich werde nie sagen, dass jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher war“, sagte Krah der Zeitung.

Auf die Frage, ob die SS Kriegsverbrecher seien, antwortete er: „Es gab sicherlich einen hohen Prozentsatz an Kriminellen, aber nicht alle waren kriminell.“ Die nationalsozialistische SS bewachte und verwaltete unter anderem die Konzentrationslager und war maßgeblich für Kriegsverbrechen verantwortlich. Bei den Nürnberger Prozessen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.

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