So, 23. September 2018

Pferdchen im Galopp

22.10.2012 10:49

"Fable: The Journey": Reisen wie auf Schienen

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt - selbst wenn man dabei wie bei Microsofts Kinect-Titel "Fable: The Journey" sitzen bleiben darf. Der jüngste Ableger der beliebten Rollenspiel-Marke für die Xbox 360 verlässt die Pfade des Gewohnten, bleibt dabei paradoxerweise aber so stur und starr in der Spur wie kein anderes "Fable"-Spiel vor ihm.

"Fable: The Journey" hat mit den bisherigen "Fable"-Spielen (siehe Infobox) - mit Ausnahme der Fantasy-Welt Albion, in der es spielt, und ihren Bewohnern - nur wenig gemein. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Jüngling namens Gabriel, der zusammen mit seinem Pferd Seren unverhofft in ein für ihn zunächst viel zu großes Abenteuer schlittert.

Boten bisherige "Fable"-Spiele im Vergleich zu so manchem Konkurrenten (etwa "Oblivion") schon wenig spielerische Freiheiten, so grenzt "Fable: The Journey" den Handlungsspielraum nun noch einmal zusätzlich ein, handelt es sich doch um eine Art "Railgun-Rollenspiel", in dem nahezu sämtliche Wege vorbestimmt sind.

Der Held bewegt sich also wie auf Schienen durchs Spiel und kann nur vereinzelt zwischen Abzweigungen wählen oder kurze Stopps einlegen, um sich zu erholen, einen Plausch abzuhalten oder optionale "Nebenquests" zu verfolgen, die in der Regel jedoch von kurzer Dauer sind und abermals auf streng vorgegebenen Pfaden verlaufen.

Vom Kutschbock auf die eigenen Füße und wieder zurück
Auch in Sachen Gameplay hält sich die Abwechslung in Grenzen. Unterschieden wird zwischen Spielabschnitten, die zu Fuß zu absolvieren sind, und solchen auf dem Kutschbock, bei denen es unter Zuhilfenahme der Arme vom Trab ins Galopp und wieder zurück zu wechseln sowie Hindernissen durch Zerren an den virtuellen Zügeln auszuweichen gilt.

Während der Geschwindigkeitswechsel die Kinect-Kamera vor keinerlei Probleme stellt, bereitet das Lenken der Kutsche mitunter größere Schwierigkeiten. Zieht man einmal zu fest am Zügel, gerät man nämlich schnell ins Trudeln und pendelt fortan zwischen den seitlichen Wegbegrenzungen.

Umgehen lässt sich dieser "Eiertanz" zwar, indem man die Hände in den Schoß legt und den Autopiloten die Arbeit verrichten lässt, allerdings bleiben dann viele der auf der Strecke verteilten und mittels Pferd einzusammelnden Erfahrungspunkte sprichwörtlich auf dieser liegen.

Zaubern mit den Händen
Wesentlich spannender, weil komplexer, gestalten sich ohnehin die Spielabschnitte, die Gabriel zu Fuß absolviert. Im Prinzip ähneln diese klassischen Railgun-Shootern, nur dass der Held hier nicht mit Waffen ballert, sondern mit seinen Handschuhen zaubert.

Während mit der linken Hand ein Gravitationszauber gewirkt wird, der Gegner nicht nur kurzzeitig lähmt, sondern auch dazu verwendet werden kann, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und interaktive Objekte zu manipulieren, dient die rechte Hand verschiedenen Kampfzaubern (Blitz, Feuerball), die im Spielverlauf erlernt werden.

Generell funktioniert das Zaubern mit beiden Händen zuverlässig, auch wenn es häufig zunächst einen Schuss braucht, der ins Leere geht, ehe man den nächsten treffsicher ins Ziel feuern kann. Mit etwas Übung gelingt es schließlich, Gegner – Hobbs, Balverine und andere Kreaturen aus dem Fable-Universum – selbst dann zu treffen, wenn diese in Deckung stehen, lassen sich Zauber mit einer wischenden Armbewegung doch auch um die Ecke lenken.

Wenig Abwechslung
Von diesen beiden Hauptaufgaben – reiten/lenken und spazieren/zaubern – abgesehen, gibt es einige Kinect-typische Gesten und Aufgaben, die zwar sowohl zur Abwechslung als auch Spielatmosphäre beitragen, jedoch nicht in dem Maße, wie man sich das wünschen würde. Dazu zählt etwa das Füttern, Striegeln und Heilen des Pferdes durch – wie könnte es anders sein – Handauflegen. "Kinectimals" lässt grüßen.

Belohnt wird Gabriel nach jedem Kampf und jeder bewältigenden Aufgabe mit Erfahrungspunkten, die es dem Spieler wiederum erlauben, bestimmte Fähigkeiten freizuschalten, darunter etwa ein Kettenblitz. Doch auch hier knausern die Entwickler: Die Auswahlmöglichkeiten sind zu gering, der erhoffte spielerische Tiefgang bleibt aus.

Fesselnde Story
Punkte wett machen kann "Fable: The Journey" dafür bei der Präsentation. Auch wenn man oftmals nur an ihnen vorüberzieht, können sich die mitunter märchenhaften und mit liebevollen Details gespickten Landschaften sehen lassen. Von den verwaschenen und teils grobpixeligen Zwischensequenzen lässt sich dies allerdings nicht behaupten, selbst wenn Microsoft auf der Rückseite der Spielverpackung vom bislang schönsten "Fable"-Titel spricht.

Der überzeugenden Stimmarbeit der Synchronsprecher und der Handlung ist es schließlich zu verdanken, dass man "Fable: The Journey" trotz vieler Schwächen dennoch gerne oder zumindest länger spielt. Obgleich die Arme vom vielen Zaubern schmerzen mögen, gelingt es dem Titel, den Spieler bei Laune zu halten und ihn durch die Ego-Perspektive in die Welt von Albion hineinzuziehen und darin abtauchen zu lassen.

Fazit: "Fable: The Journey" ist ein durchaus amüsanter Abenteuerritt in und durch die Welt von Albion, dessen Begrenztheit wahren Rollenspiel-Fans und sogenannten Core-Gamern jedoch nicht gefallen dürfte. Dass "Fable: The Journey" kein waschechter Nachfolger der bisherigen Spiele werden würde, war von vorneherein klar, mehr Freiheiten bei der Weggestaltung, der Individualisierung des Charakters sowie insgesamt mehr spielerische Abwechslung wären dennoch wünschenswert gewesen.

Plattform: Xbox 360 (erfordert Kinect)
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 6/10

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