So, 16. Dezember 2018

"Alles verseucht"

11.10.2012 17:48

Bauern aus Nigeria verklagen Shell wegen Ölpest

Es kommt einem wie David gegen Goliath vor: Vier Bauern aus Nigeria haben den Ölkonzern Shell vor einem Gericht in Den Haag wegen der Ölpest in ihrem Land verklagt und Schadenersatz gefordert. Das britisch-niederländische Unternehmen sei verantwortlich für die Verseuchung von Boden und Grundwasser im Land und müsse für den Schaden aufkommen, erklärte die Anwältin der Bauern, Channa Samkalden, am Donnerstag vor dem Zivilgericht.

Es ist das erste Mal, dass sich ein niederländisches Unternehmen in der Heimat vor Gericht für Umweltvergehen im Ausland verantworten muss. Eine Verurteilung des Konzerns könnte nach Ansicht von Juristen zu weiteren internationalen Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe führen.

Seit 2005 würden Grundwasser und Boden im Nigerdelta durch Öllecks verseucht, erklärte die Anwältin Samkalden. "Shell hat die Leitungen nicht gut gewartet und die Schäden nicht beseitigt." Millionen Barrels Öl seien ausgeströmt. Bauern und Fischer hätten daher ihre Existenzgrundlage verloren.

"Trinkwasser verseucht"
"Unser Trinkwasser ist verseucht, unser Fisch ist verseucht und unsere Luft ist verseucht", sagte einer der Bauern, Eric Dooh, am Rande des Prozesses. "Ich erwarte Gerechtigkeit." Die Bauern forderten auch, dass der Ölkonzern die Umweltschäden in ihren drei Dörfern beseitigt.

Die Kläger legten dem Gericht Fotos, Videos und Studien vor. "Shell gibt selbst in einer eigenen Studie zu, dass die Leitungen nicht gut gewartet waren", sagte der Sprecher der Umweltschutzorganisation Milieudefensie, Geert Ritsema. "Die sind total verrottet." Die Organisation hatte die Zivilklage gemeinsam mit den Bauern angestrengt.

Shell macht lokale Saboteure verantwortlich
Shell wies die Vorwürfe zurück. Der Jurist des Ölkonzerns gab an, dass Schäden nach den ersten Lecks beseitigt wurden. Für weitere Umweltschäden seien lokale Saboteure verantwortlich. Außerdem würden kriminelle Gruppen Löcher in die Rohre schlagen, um Öl zu stehlen. Täglich werden nach Angaben von Shell mindestens 150.000 Barrels gestohlen. Das Unternehmen hatte bisher vergeblich angeführt, dass die niederländische Justiz nicht zuständig sei.

Ein Urteil des Gerichts wird zum Jahresende oder Beginn 2013 erwartet. Erst danach wird über die Höhe möglicher Schadenersatzzahlungen entschieden. Bereits 2008 und 2009 hatten Bewohner der Stadt Bodo Klage vor britischen Gerichten eingebracht. 2011 erklärte sich Shell zu Zahlungen bereit, das zivilrechtliche Verfahren läuft aber noch.

Lebensgrundlage der Bevölkerung zerstört
Nach Expertenschätzungen dürften in den letzten 50 Jahren rund zwei Millionen Tonnen Rohöl aus kaputten Pipelines und Bohrinseln das Nigerdelta verschmutzt haben (siehe auch Story in der Infobox). Die Bevölkerung im Nigerdelta lebt zum Großteil von Fischerei und Ackerbau, vielen wurde durch die massive Umweltverschmutzung ihre Lebensgrundlage genommen, was auch zu blutigen Konflikten in der Region führte.

Laut einer Studie der UNO aus dem Jahr 2011 dürfte es 25 bis 30 Jahre dauern und rund eine Milliarde Dollar kosten, um die Region zu sanieren.

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