Folter in Georgien

Gefängniswärter: “Ich wollte zeigen, was vor sich geht”

Ausland
22.09.2012 11:21
Jener georgische Ex-Gefängniswärter, der Videos mutmaßlicher Misshandlungen von Häftlingen veröffentlichte, wollte damit nach eigenen Angaben ein Ende der Folter in der Ex-Sowjetrepublik erreichen. "Ich wollte zeigen, was vor sich geht, damit die Leute das wissen", so Wladimir Bedukadse. Der 35-Jährige war nach eigenen Angaben seit 2008 im Gldani-Gefängnis bei Tiflis beschäftigt. Die erschütternden Aufnahmen machte er zwischen 2010 und 2012.

Auf den Aufnahmen werden Häftlinge brutal getreten und offenbar vergewaltigt. Nach Bedukadse wird in Georgien gefahndet. Er floh nach eigenen Angaben im Mai mit den Videos und erreichte im Juli Brüssel, wo er nun politisches Asyl beantragt hat. Seine Familie ist jedoch weiterhin in Georgien.

Bedukadse wies Vorwürfe zurück, er habe im Namen der Opposition gehandelt. "Ich wurde nicht bezahlt. Es war ein persönlicher Protest." Sein Anwalt erklärte, wenn es keine Folter gegeben hätte, gäbe es auch keine Videos.

Beeinflussung der Parlamentswahlen befürchtet
Der Folterskandal führte zum Rücktritt des Innenministers und des für den Strafvollzug zuständigen Ministers. Staatschef Michail Saakaschwili erklärte am Freitag, der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Videos ziele auf eine Beeinflussung der Parlamentswahlen am 1. Oktober ab, die als wichtiger Stimmungstest für seine Partei gilt. Es müsse die Frage gestellt werden, warum die Aufnahmen erst jetzt gezeigt würden, sagte er in einer Fernsehansprache.

Am Samstag versammelten sich Tausende Regierungsgegner zu einer Großkundgebung. Die Anhänger der oppositionellen Bewegung Georgischer Traum des Milliardärs Bidsina Iwanischwili demonstrierten in der Stadt Sugdidi an der Grenze zur abtrünnigen Region Abchasien. Der Fernsehsender TV-9 zeigte Bilder einer riesigen Menschenmenge. In der Hauptstadt Tiflis wiederum gingen erneut zahlreiche Studenten aus Protest auf die Straße.

Häftlinge wegen brutaler Quälereien im Hungerstreik
Angehörige von Häftlingen kritisierten unterdessen am Samstag, dass die Folter in den Gefängnissen des Landes immer noch weitergehe. Wegen andauernder brutaler Quälereien sind Medienberichten zufolge zahlreiche Häftlinge in Tiflis in einen Hungerstreik getreten.

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