Entflohener Häftling

LKA beteuert: “Tür der Arrestzelle war defekt”

Österreich
21.09.2012 15:26
Nicht ein unaufmerksamer Beamter, sondern ein technisches Gebrechen hat am Mittwoch nach Angaben des Landeskriminalamtes einem Serienräuber die Flucht aus einer Verwahrungszelle in St. Pölten ermöglicht. Der Defekt an der Gefängnistüre sei mittlerweile behoben worden. Ibrahim A. (Bild rechts) gehört zu einer Bande, die mindestens fünf Überfälle in Wien und Niederösterreich begangen haben soll.

Ein lange Zeit unbemerkt gebliebener technischer Mangel an einer Arresttür habe, so Franz Polzer, Leiter des LKA Niederösterreich, dem Mann die Flucht aus der Dienststelle ermöglicht. Der Fall sei "unangenehm", der Defekt jedoch inzwischen behoben, sagte der Kriminalist am Freitag. Nach Informationen der "Krone" vom Donnerstag hatte ein Beamter vergessen, die Türe abzusperren - siehe Infobox.

Dem entkommenen 25-Jährigen werden Überfälle auf Wettbüros und Tankstellen zur Last gelegt. Der Beschuldigte habe sich geständig gezeigt, ehe es ihm gelang, seine Zellentür zu entriegeln und das Weite zu suchen. Der LKA-Chef zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass der Mann wieder dingfest gemacht werde. Kontaktadressen seien bekannt.

Drei Mittäter in Haft
Inzwischen seien auch die mutmaßlichen Mittäter des Flüchtigen festgenommen worden, so Polzer weiter. Sie hätten sich ebenfalls geständig gezeigt. Neben Ibrahim A. ist noch ein weiteres Mitglied der Bande flüchtig, der österreichische Staatsbürger Alpaslan E. (25, auf Bild 2 links). Nach den Männern wird per EU-Haftbefehl gefahndet.

Drei Beschuldigte, unter ihnen der 38-jährige Italiener Emanuel D. (Bild 2, Mitte) und der 24-jährige österreichische Staatsbürger Soner K. (Bild 2, rechts) befinden sich in der Justizanstalt Korneuburg in Haft. Der dritte Mann, Harun B. (25, österreichischer Staatsbürger), soll als Beitragstäter fungiert haben und nicht direkt an den Überfällen beteiligt gewesen sein, heißt es vom LKA.

Überfälle auf Wettbüros und Tankstellen
Den Verdächtigen werden Überfälle auf eine Tankstelle in Wien-Leopoldstadt (28. Juni), auf Wettbüros in Strasshof a.d. Nordbahn im Bezirk Gänserndorf (29. Juni), in Wien-Brigittenau (15. Juli) und Gänserndorf (31. Juli) sowie auf eine weitere Tankstelle in Wien-Döbling (14. August) zur Last gelegt. Die Männer sollen außerdem Einbruchsdiebstähle in Firmen und Geschäfte in Niederösterreich und Wien verübt haben. Diesbezüglich seien noch Erhebungen im Gang, so die Polizei.

Bei den Raubüberfällen waren die Täter großteils maskiert und mit Pistolen und einer Machete bewaffnet. Sie gingen laut Polizei "äußerst brutal vor" und schlugen teilweise auf die Opfer ein, die Tresore bzw. Kassen öffnen mussten. Überdies wurden Angestellte und anwesende Kunden in diverse Nebenräume eingesperrt. Mit der Beute finanzierten die Männer den Ermittlungen zufolge ihren Lebensunterhalt und den Ankauf von Drogen. Bei Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich wurden Tatwaffen und -kleidung, Maskierungen, Teile der Raubbeute sowie diverse Suchtmittel sichergestellt.

Hinweise bezüglich möglicher weiterer Delikte bzw. zum Aufenthaltsort der Flüchtigen sind an das Landeskriminalamt Niederösterreich unter der Telefonnummer 05913330-3333 bzw. an jede Polizeidienststelle erbeten.

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