Nach Wähler-Sager

Romney will sich um “100 Prozent” der Bürger kümmern

Ausland
20.09.2012 08:43
Nach der Aufregung um abfällige Äußerungen über einen Teil der US-Wählerschaft hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney versichert, dass ihm alle Amerikaner am Herzen lägen. In Anspielung auf seine Aussagen vor reichen Spendern, ohnehin nicht auf die Stimmen von "47 Prozent" der Wähler hoffen zu können, versicherte er am Mittwoch, im Fall eines Wahlsiegs Staatschef aller Bürger sein zu wollen. "Ich kümmere mich um alle hundert Prozent", sagte er in einem TV-Interview.

"Die Menschen in Amerika werden eine bessere Zukunft haben, wenn sie mich zum nächsten Präsidenten wählen", sagte Romney in einem Interview im spanischsprachigen Fernsehsender Univision an die Adresse von US-Bürgern mit lateinamerikanischen Wurzeln. Sein Wahlkampf "dreht sich um die 100 Prozent in Amerika, und ich sorge mich um sie", versicherte er. "Ich bin besorgt über die Tatsache, dass das Leben für Amerikaner in den vergangenen vier Jahren härter geworden ist."

Romney macht Politik für Spaltung des Landes verantwortlich
Romney konstatierte eine Spaltung der USA, die ihm Sorgen bereite. "Die Politik hat uns in gewisser Hinsicht auseinandergetrieben", sagte er. Wenn er jedoch am 6. November gewählt werde, wolle er "jedes Quäntchen meiner Energie darauf verwenden, dieses Land zusammenzubringen".

Zugleich kündigte Romney eine Verschärfung des US-Einwanderungsrechts auf Bundesebene an. Details zu diesem Punkt nannte er nicht. Jedoch sagte der Republikaner, es sei nicht sein Ziel, "Menschen im ganzen Land zu verhaften und abzuschieben". Früher in diesem Jahr hatte Romney vorgeschlagen, Menschen, die in den USA keine Arbeit fänden, sollten "sich selbst abschieben". Dafür wurde er sowohl von Obamas Demokraten als auch aus den eigenen Reihen kritisiert.

Nur ein Scherz: "Wäre hilfreich, Latino zu sein"
Romney versuchte sich in der Rede auch an einem Witz über die Herkunft seines Vaters, dessen Eltern in Mexiko lebende US-Bürger waren. "Wenn er mexikanische Eltern gehabt hätte, hätte ich eine bessere Chance zu gewinnen", spielte der Republikaner auf die wachsende Bedeutung von Wählern lateinamerikanischer Abstammung an. "Ich meine, ich sage das als Scherz, aber es wäre hilfreich, Latino zu sein", fügte er hinzu.

Der konservative Herausforderer von US-Präsident Barack Obama ist derzeit sichtlich um eine Politur seines angekratzten Ansehens bemüht. Er hat nach Bekanntwerden seiner abschätzigen Kommentare über ärmere Amerikaner bei einer heimlich mitgeschnittenen Rede vor reichen Spendern (siehe Infobox) in der Wählergunst verloren. Einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge sehen 43 Prozent der Befragten Romney als weniger vorteilhaft an als zuvor. Fast 60 Prozent der Befragten sahen in Romneys Äußerungen eine unfaire Herabsetzung eines großen Teils der Amerikaner.

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