Milliarden-Grab
Die USA müssen ihre Atomwaffen modernisieren
Wie viel Geld diese Mega-Renovierung des Atomwaffen-Arsenals verschlingen wird, wurde offiziell bisher nicht bekannt gegeben. Die US-Zeitung zitierte aber eine Untersuchung des Stimson Center aus Washington, der zufolge in den kommenden zehn Jahren Kosten von mindestens 352 Milliarden Dollar (268 Mrd. Euro) für die Modernisierung der Waffen anfallen würden.
Andere Schätzungen gehen von deutlich höheren Kosten und einem weit längeren Zeitraum aus - und das in Zeiten, wo sich die US-Wirtschaft gerade von der schlimmsten Rezession in der Nachkriegszeit erholt.
Atomwaffen nicht mehr zeitgemäß
Das Timing könnte nicht schlechter sein, zumal sich die US-Verteidigungsstrategie seit Jahrzehnten sehr weit von dem Szenario eines Nuklearkrieges entfernt habe, schreibt die "Washington Post". Die USA würden heute präzisere, kleine Militär-Operationen mittels Spezialeinheiten präferieren, schnelle und taktische Schläge gegen den Feind seien effektiver, sagen Militärexperten.
Neu ist die Debatte rund um Amerikas Atomwaffen, die in ihren Lagern vor sich hin stauben, nicht. Schon unter George W. Bush wurde eine Verkleinerung des Arsenals diskutiert, Bushs Regierung wollte damals eine Reduktion um 50 Prozent erreichen, scheiterte aber mit ihrem Vorhaben, als man nach Afghanistan und den Irak in den Krieg zog. Die explodierenden Kosten der Bush-Feldzüge vereitelten schließlich eine Reduzierung des Atombestandes, die mit enormen finanziellen Aufwendungen verbunden gewesen wäre.
B61-Bombe als Kostenfalle
Eine der größten Kostenfallen ist die B61-Bombe - in den frühen 1960er-Jahren in Amerikas Nuklearlabor Nummer eins, Los Alamos, entwickelt. Etwa 400 von ihnen lagern noch in den Arsenalen. Obwohl sie damit nicht einmal zehn Prozent des US-Atomwaffenbestandes ausmachen, verschlingt ihre Erhaltung und Wartung enorme Kosten. 25 Millionen Dollar pro Jahr und Bombe überweist das Pentagon, weshalb das Projekt von manchen US-Wissenschaftlern spöttisch als das "vergoldete Nuklearbomben-Projekt" bezeichnet wird.
Dabei müssen die Atom-Spezialisten zeitweise schon sehr kreativ ans Werk gehen, um die B61 fit zu halten. Der Hersteller von Schaltkreisen der Radar-Steuerung ist nämlich bankrott gegangen. Die Ingenieure griffen daher zu innovativen Lösungen. Entweder baute man die Teile aus ausgeschlachteten Bomben nach oder machte sich auf die Suche nach neuen Bezugsquellen. "Vor Kurzem haben wir drei oder vier Ersatzteile auf eBay gekauft", erklärt Gillbert Herrera, Labormanager. "Für 100.000 Dollar pro Stück."
NNSA "stiefmütterlich behandelt"
Als Barack Obama 2009 seine Vision von einer atomwaffenfreien Welt verkündete, ahnte er wohl noch nicht, welche Leichen in den Kellern der National Nuclear Security Administration (NNSA) auf ihn warteten. "Wir hatten gedacht, dass man sich hier bereits um einiges gekümmert hatte, und waren schockiert, als wir sahen, wie stiefmütterlich das alles behandelt worden war", sagte Jon Wolfsthal, Nuklearwaffen-Experte des Obama-Büros.
Schließlich mussten die Gelder für die Wartungen der alten Atomsprengköpfe aus der Zeit des Kalten Krieges sogar um 17 Prozent erhöht werden. Zeitgleich wollte man 2010 aber Kürzungen im Militär-Etat durch den Senat bringen. Als Teil des START-Abkommens mussten die USA letztendlich fixe Zusagen machen, die Anzahl ihrer Atomwaffen zu reduzieren. Konkrete Schritte in diese Richtungen gibt es aber nach wie vor nicht, heißt es von der NNSA.
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