Die Radfahrer, zufällig an der Stelle unterwegs und keine Beteiligten der Suchaktion, sahen das kleine Mädchen, das allein auf dem Gailtalradweg unterwegs war, und sprachen es an. Die Fünfjährige nannte daraufhin ihren Namen. Die Männer verständigten die Nötscher Polizei, die sofort eine Streife vorbeischickte. Die Beamten identifizierten die Fünfjährige und brachten sie sowie die Radfahrer in die Wachstube. Die große Suchaktion, an der sich zuletzt 250 Einsatzkräfte und zahlreiche Freiwillige beteiligt hatten, konnte somit eingestellt werden.
Die Freude der Mutter kannte bei der Nachricht, dass ihr Kind unverletzt gefunden worden war, keine Grenzen. Der Einsatzleiter der Polizei, Ehrenfried Zarfl, sagte, sie sei in Tränen ausgebrochen und habe sich bei allen Helfern herzlich bedankt.
Franca hatte sich verlaufen
Die Befragung der kleinen Franca ergab anschließend, dass das Kind alleine nach Hause gehen wollte, nachdem sich sein Großvater beim Spazierengehen kurz entfernt hatte. Wie die Kleine die Zeit ihrer Abgängigkeit genau verbrachte, ist noch nicht ganz klar. Franca erzählte jedoch, dass sie dachte, der Opa sei schon gegangen. Deshalb machte sie sich selbstständig auf den Heimweg, bog aber falsch ab. Eine gewisse Zeit dürfte das Mädchen in der Nähe des Elternhauses eines Kindergartenfreundes verbracht haben. Bemerkbar gemacht hat es sich aber offenbar nicht.
Bei ihren Orientierungsversuchen entdeckte Franca dann das Bachbett der Gail und näherte sich ihm. Rund vier Kilometer vom Ort ihres Verschwindens entfernt wurde sie dort von den beiden Radfahrern gefunden. Bei ihnen handelt es sich um einen 47 Jahre alten technischen Angestellten und einen 23-jährigen Studenten aus einem Nachbarort.
Angaben des Mädchens absolut glaubwürdig
Das Mädchen hatte keine Hose und keine Sandalen mehr an, als die Radfahrer das Kind entdeckten. Es erklärte, es habe sich in die Hose gemacht und die feuchten Kleidungsstücke daraufhin abgelegt. Für die Polizei sind diese Angaben absolut glaubwürdig, sagte Sprecher Michael Masaniger. Zwei Ärzte hätten Franca mittlerweile untersucht. Es liegen keine Verletzungen vor, auch ein Trauma könne ausgeschlossen werden. Das Kind habe am Abend bereits wieder gegessen und angekündigt, die folgende Nacht bei seiner Mama im Bett verbringen zu wollen.
Franca wollte nicht nach Hause
Die kleine Franca war mit ihrem Großvater am Montag im Bereich der Fischteiche des Schlosses Wasserleonburg, das oberhalb von Saak, einem Ortsteil von Nötsch im Gailtal, liegt, spazieren gewesen. Gegen 18 Uhr wollte der 78-Jährige nach Hause gehen, das Mädchen weigerte sich aber. Also ging er ein paar Schritte voraus, in der Hoffnung, das Kind so zum Einlenken bewegen zu können. Als es nicht kam, suchte der Mann nach der Kleinen, konnte sie aber nicht mehr finden.
Gemeinsam mit der Mutter hatte der Pensionist noch eine halbe Stunde nach der Fünfjährigen gesucht, jedoch ohne Erfolg. Dann wurde die Polizei verständigt. Als dann auch eine örtliche Fahndung mehrerer Polizeistreifen erfolglos blieb, wurde eine erste Suchaktion mit rund 200 Einsatzkräften gestartet, die gegen 1 Uhr früh abgebrochen werden musste. Während der Nacht waren aber vier Horchposten aufgestellt, um eventuelle Hilferufe wahrzunehmen. Doch von dem Mädchen fehlte jede Spur.
Wärmebildkameras und Suchhunde im Einsatz
Dienstag früh war die Suche (Bilder) wieder aufgenommen worden. Ausgestattet mit Wärmebildkameras und von Hundestaffeln sowie einem Hubschrauber unterstützt, wurde das unwegsame und felsdurchsetzte Gebiet, das drei mal drei Kilometer umfasste und am Südhang des Dobratsch im Bezirk Villach-Land liegt, von den Suchmannschaften durchkämmt. Es gibt dort zahlreiche Forstwege und Trampelpfade. Auch 100 Pioniere des Bundesheeres waren unterwegs gewesen, um bei der Suche nach dem Mädchen zu helfen.
Während der Suche und der Ungewissheit, ob das Kind unversehrt gefunden werden könne, hatte ein fühlbarer Schatten auf der kleinen Gemeinde am Südfuß des Dobratsch gelegen. Im Dorf herrschte zugleich Normalität und Ausnahmezustand. Während die einen ihr Leergebinde zurückbrachten oder Hecken stutzten, saßen an der nächsten Ecke die Leute vor ihrem Haus und starrten ins Leere. Einige Wanderer waren auf dem Weg, um sich an der Suchaktion zu beteiligen, die nun ein glückliches Ende fand.
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