Wochenlange Odyssee

Unglücksfrachter “Flaminia” erreicht sicheren Hafen

Ausland
09.09.2012 21:48
Die riesigen Container liegen kreuz und quer an Deck verstreut, vom Ruß dunkel verfärbt (siehe Bild). Eine Schneise der Verwüstung zieht sich über den gesamten Mittelteil der "Flaminia". Hier hat die Feuersbrunst gewütet. Sechs Schlepper bugsieren das stark beschädigte Schiff am Sonntagabend vorsichtig an den Anleger im deutschen Wilhelmshaven. Nach wochenlanger Odyssee hat es endlich einen sicheren Hafen erreicht.

"Erleichtert sind wir schon ein bisschen", sagt der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. "Aus unserer Sicht hat alles gut geklappt." Seit Wochen sind er und seine Mitarbeiter ununterbrochen im Einsatz, um die Bergung der "Flaminia" vorzubereiten - ein kompliziertes Manöver, bei dem kein Risiko eingegangen werden durfte. Denn an Bord befindet sich ein Giftcocktail, dessen Gefahr zurzeit noch niemand abschätzen kann.

Konzentriert verfolgt der stellvertretende Stabsleiter Jens Rauterberg von der Brücke eines Zollschiffs, wie die Schlepper die "Flaminia" in den neuen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven ziehen, langsam drehen und dann an die Mole schieben. Wie Spielzeugboote wirken sie neben dem 300 Meter langen Containerriesen, der in den vergangenen Wochen zu einem dicken Problem geworden ist.

Im Atlantik Feuer gefangen
'Mitte Juli hatte die "Flaminia" auf dem Atlantik Feuer gefangen. Container mit Gefahrgut verbrannten, giftige Stoffe traten aus. Explosionen erschütterten den Laderaum. Ein Seemann kam ums Leben, ein anderer wird seither vermisst. Großbritannien und Frankreich weigerten sich, den havarierten Frachter in einen ihrer Häfen einlaufen lassen. Wochenlang trieb er auf dem Ozean. Ein heftiger Streit um seine Bergung entbrannte.

Schließlich entschied das Havariekommando, dass die "Flaminia" in den JadeWeserPort kommen sollte. Schlepper mussten sie durch den Ärmelkanal bis in den Jadebusen bringen - mitten durch das zum Weltnaturerbe zählende Wattenmeer. Wie ein gestrandeter Wal liegt sie jetzt am Ende der langen Kaimauer da. Rund herum ist alles weiträumig abgesperrt. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode ist an den Anleger geeilt, um das Schiff persönlich in Empfang zu nehmen. Ansonsten ist nicht viel los an dem Terminal. Der Hafen wird erst in knapp zwei Wochen offiziell eröffnen.

Beschädigte Container und belastetes Löschwasser
Am Montag will sich das Havariekommando erst einmal ein genaues Bild von der Lage an Bord machen. Ein Expertenteam hatte sich dort bereits umgeschaut und Proben genommen. "Das sind erst Stichproben gewesen", erläutert Rauterberg. "Wir sind noch nicht überall rangekommen." Am Dienstag werden dann Brandermittler damit beginnen, nach der Ursache für das verheerende Feuer zu suchen.

Erst wenn sie ihre Arbeit beendet haben, können die beschädigten Container und das mit Giftstoffen belastete Löschwasser entsorgt und das Schiff entladen werden. Das Ganze wird mehrere Wochen dauern. Das Problem "Flaminia" wird auch die Politik noch länger beschäftigen. Bode und vieler seiner Kollegen wollen das europäische Notfallkonzept nun auf den Prüfstand stellen.

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