Vor Chinas Küste

US-Mogul investiert zwei Milliarden $ in Insel-Paradies

Ausland
09.09.2012 20:50
Rund zwei Milliarden US-Dollar wird US-Mogul Bill Weidner in den nächsten fünf Jahren in das kleine Insel-Paradies Matsu direkt vor der Küste Chinas investieren. Ein noch zu errichtendes Casino soll dann jährlich über drei Millionen spielfreudige Chinesen auf den derzeit noch eher verschlafenen Archipel locken. Um die 7.000 Inselbewohner von seinem Projekt zu überzeugen, versprach Weidner jedem Einzelnen 2.666 US-Dollar Fixeinkommen - monatlich!

"Natürlich habe ich dafür gestimmt", erzählt Lin (Bild 3 im roten T-Shirt), die nur ihren Vornamen preisgeben will, in Anspielung auf die Volksabstimmung von vergangenem Juli, bei der sich 57 Prozent der insgesamt 3.000 Stimmberechtigten für das Casino-Projekt entschieden haben. "Bei all dem Geld, wie hätte ich da dagegen stimmen können?", zeigt sie sich verwundert.

Sorge um unberührte Natur und Angst vor Kriminalität
Allerdings gibt es durchaus auch kritische Stimmen gegen die milliardenschwere Investition aus den USA. Sorgen um die unberührte Natur und Angst vor nun vielleicht aufkommender Kriminalität machen nicht nur jene nachdenklich, die im Juli mit "Nein" gestimmt haben. "Das Projekt als gut oder schlecht zu bezeichnen, ist sehr schwer", erklärt etwa Teeladen-Besitzerin Cheng Yu-Lan (Bild 4) der Nachrichtenagentur AP. "Es gibt Argumente dafür, aber auch welche dagegen."

Die befürchtete Zerstörung der beinahe unberührten Inseln war auch jener Punkt, warum der 23-jährige Museumsmitarbeiter Zheng Yu-Zhe (Bild 5) gegen das Projekt votierte. "Beigan (die Insel, auf der das Casino errichtet werden soll, Anm.) ist bekannt für seine sehr traditionelle Architektur. Wenn nun das Casino kommt, dann wird es jede Menge Streit um Land geben, und es wird der Umwelt schaden."

Überreste des Kalten Krieges
Bisher lockte die Inselgruppe nur rund 100.000 Besucher im Jahr an, die sich vor allem an der umwerfenden Schönheit der Natur erfreuten, aber auch die Überreste des Kalten Krieges bestaunen konnten. Bis zur Entspannung der diplomatischen Beziehungen in den 1990er-Jahren waren 10.000 Soldaten auf dem nur 16 Kilometer vor der chinesischen Küste gelegenen Archipel stationiert. Sie sollten eine kommunistische Invasion in Taiwan, zu der die Inseln gehören, verhindern. Mittlerweile sind davon aber nur noch die Befestigungsanlagen übrig geblieben (Bild 6 bis 8).

Statt die Chinesen militärisch abzuwehren, sollen diese nun mit in China noch verbotenem Glücksspiel auf die Inseln Beigan und Nangan gelockt werden. Um die Infrastruktur dafür bereitzustellen, nimmt Investor Weidner auch jede Menge Geld in die Hand: Neben dem versprochenen monatlichen Fixeinkommen für die Bewohner soll um 400 Millionen Dollar ein komplett neuer Flughafen (im ersten Bild oben ist der bisher bestehende Flugplatz zu sehen) errichtet werden. Zudem wird künftig eine 200 Millionen Dollar teure und drei Kilometer lange Brücke die beiden Inseln miteinander verbinden und ein "Weltklasse-Touristen-Ressort" errichtet.

63 Millionen Menschen im direkten Einzugsgebiet
Angesprochen sollen damit nicht nur die rund 40 Millionen Chinesen, die im unmittelbaren Einzugsgebiet auf dem Festland leben, sondern auch die 23 Millionen Menschen auf der taiwanesischen Hauptinsel werden. Rund 70 Prozent der anvisierten jährlich 4,5 Millionen Besucher werden aber aus der Volksrepublik kommen und somit satte Gewinne für den US-Mogul abwerfen. Laut Berechnungen offensichtlich jedenfalls genug, um die monatlich benötigten rund 19 Millionen US-Dollar als Fixeinkommen an die Inselbewohner auszahlen zu können.

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