Obama über Rede

Clinton als “Minister für das Erklären von Dingen” gelobt

Ausland
08.09.2012 10:19
US-Präsident Barack Obama teilt das Lob für die Rede seines Vor-Vorgängers Bill Clinton auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten. "Jemand hat mir nach der Rede eine E-Mail geschickt und geschrieben: 'Sie sollten Clinton zum Minister für die Erklärung von Dingen ernennen'", berichtete Obama am Freitag. "Das ist gut beobachtet. Ich mag die Idee, Minister für die Erklärung von Dingen", scherzte er. In der jüngsten Umfrage liegt Obama wieder vor Gegner Mitt Romney.

Ein Sprecher Obamas, Jen Psaki, ergänzte später an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, das Wahlkampfteam der Demokraten würde eine erneute Unterstützung durch Clinton bis zur Wahl am 6. November gerne annehmen. "Wir hätten ihn gerne an unserer Seite, sobald er Zeit hat." Bill Clinton sei "seit langer Zeit ein unglaublicher Anwalt des Präsidenten".

Clinton hatte am Mittwoch auf dem Parteitag der Demokraten in Charlotte im Bundesstaat North Carolina für die Wiederwahl Obamas geworben. Er glaube "von ganzem Herzen" an Obama, hatte Clinton gesagt. Der Amtsinhaber sei geeignet, die Wirtschaft der USA wieder auf die Beine zu bringen. Die Rede Clintons, der von 1993 bis 2001 an der Spitze der USA stand und sich noch immer großer Beliebtheit erfreut, war von den Parteitagsdelegierten mit lang anhaltendem Applaus gefeiert worden. Der 66-Jährige hatte darin vor allem das "völlige Durcheinander" angeprangert, das die Republikaner unter George W. Bush dem heutigen Präsidenten hinterlassen hätten.

Obama in jüngster Umfrage wieder vor Romney
Geholfen dürfte Clintons Wahlwerbung tatsächlich haben, denn laut einer ersten Umfrage nach dem Parteitag von Reuters/Ipsos liegt Obama mit 46 Prozent vor Mitt Romney mit 44 Prozent. Am Vortag hatte noch der Republikaner mit einem Prozentpunkt geführt. Die Umfrage dürfte allerdings hauptsächlich Amerikaner erfassen, die zwar die Rede von Ex-Präsident Bill Clinton am Mittwoch gehört hatten, jedoch noch nicht Obamas eigene Ansprache am späten Donnerstagabend. Auch die Reaktion auf die enttäuschenden Zahlen zum Arbeitsmarkt vom Freitag sind darin nicht erfasst.

Die Ipsos-Meinungsforscherin Julia Clark erklärte, aus der Umfrage könne jedoch bereits geschlossen werden, dass der dreitätige Parteitag der Demokraten in North Carolina Obama geholfen habe. Es bleibe dabei, dass das Rennen zwischen Obama und Romney vermutlich bis zur Wahl Anfang November sehr knapp sein werde.

Twitter-Rekord für Obama-Rede
Obamas Rede war nach Daten von Nielsen von mehr als 35,7 Millionen US-Bürgern live am Fernseher verfolgt worden. Das sind etwas mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Die Rede vor vier Jahren hatten 38,4 Millionen gesehen. Die Ansprache von Romney auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner vor einer Woche zog 30,3 Millionen Menschen an. 

Obama stellte am Donnerstag zudem einen Twitter-Rekord auf: Direkt nach dem Ende seiner Rede wurden 52.756 Tweets pro Minute dazu registriert. Insgesamt löste der letzte Parteitag der Demokraten vier Millionen Tweets aus, etwa so viele wie das gesamte Treffen der Republikaner.

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