Wahlparty-Amoklauf
Todesschütze von Quebec wegen Mordes angeklagt
Insgesamt 16 Anklagepunkte wurden gegen den Mann, der in einem blauen Bademantel mit einer Pistole und einem Gewehr festgenommen worden war, vorgetragen, darunter vorsätzlicher Mord sowie in drei Fällen versuchter Mord. Die Vorwürfe des versuchten Mordes beziehen sich laut Staatsanwältin Eliane Perreault auf den Polizisten, der den mutmaßlichen Todesschützen festnahm und auf den der Festgenommene die Waffe gerichtet haben soll, sowie auf zwei weitere Personen, von denen einer verletzt wurde.
Der Mann war kurz nach den tödlichen Schüssen in der Nähe der Veranstaltungshalle festgenommen worden. Dabei schrie er auf Französisch mit englischem Akzent: "Die Engländer begehren auf." Bei den weiteren Ermittlungen fanden die Polizisten unweit der Veranstaltungshalle einen mit Waffen beladenen Lieferwagen, der dem Attentäter gehören dürfte (weitere Bilder). Weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung beantragten bisher ein psychologisches Gutachten über den mutmaßlichen Täter. Die nächste gerichtliche Anhörung soll am 11. Oktober stattfinden.
Separatisten fuhren knappen Wahlsieg ein
Offenbar stand das Attentat in Verbindung mit Ängsten der englischsprachigen Minderheit von Quebec, dass sich die Provinz von Kanada lossagen könnte. Bei der Parlamentswahl hatte die linksgerichtete "Parti Québécois" mit einem knappen Vorsprung gegen die Liberalen von Amtsinhaber Jean Charest gesiegt.
Der kanadische Premierminister Stephen Harper sagte, der knappe Wahlsieg gebe der PQ "keinerlei Mandat", um die Unabhängigkeit der frankophonen Provinz voranzutreiben. Zwar sei ersichtlich, dass die Bürger für den Wandel gestimmt hätten, sagte der liberale Politiker bei einer im Fernsehen übertragenen Konferenz in Vancouver, gleichwohl sei es "ziemlich klar, dass die Bürger Quebecs keinerlei Mandat für die Abspaltung Quebecs oder die Teilung des Landes erteilt haben". Laut Meinungsumfragen ist jeder dritte Bürger Quebecs für eine Abspaltung.
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