Bill in Höchstform

Fulminante Clinton-Show auf Parteitag der US-Demokraten

Ausland
06.09.2012 07:33
Die US-Demokraten haben am Mittwoch auf ihrem Parteitag in North Carolina Präsident Barack Obama offiziell als ihren Kandidaten für die Wahl im November nominiert. Die Nominierungsrede hielt Bill Clinton - und der Altpräsident zog in rund 50 Minuten eine fulminante Show ab, die offenbar auch den Republikanern Respekt einflößte. Krönender Abschluss war ein Überraschungsauftritt von Obama selbst, der sich mit Clinton von der Menge feiern ließ.

Clinton legt sich in seiner Rede für die Wiederwahl seines Nachfolgers (siehe auch Infobox) ordentlich ins Zeug und konnte das Publikum in der bis in die obersten Ränge gefüllten Basketballarena in Charlotte vom ersten bis zum letzten Wort seiner Rede mitreißen. Sein Charisma, das ihn trotz persönlicher Skandale zu einem der beliebtesten US-Präsidenten machte, fesselte die Zuseher regelrecht.

"Ich will einen Mann nominieren, der nach außen hin cool ist, aber im Inneren für Amerika brennt", rief Clinton den jubelnden Delegierten zu Beginn zu. "Und übrigens: Seit gestern will ich auch einen Präsidenten, der es geschafft hat, Michelle Obama heiraten zu dürfen", meinte der Altpräsident in Bezug auf die ebenso begeistert aufgenommene Auftaktrede der First Lady am Dienstag.

Obama "musste Sauerei aufräumen"
Clinton ließ keine Gelegenheit aus, um der Menge zu erklären, warum die Demokraten den Republikanern überlegen seien. Inhaltlich warb der 66-Jährige vor allem für Obamas Wirtschaftspolitik, die ein Hauptangriffspunkt der Republikaner ist. Der Präsident habe in seinen ersten vier Jahren die wirtschaftliche Erholung weit vorangetrieben und das Sozialsystem der USA auf neue Beine gestellt, sagte Clinton. "Lasst Obama im Amt!", rief Clinton seine Landsleute auf. "Er hat das Fundament für eine neue, moderne und erfolgreiche Ökonomie gelegt. Wenn Sie den Vertrag des Präsidenten verlängern, dann werden Sie das zu spüren bekommen."

Clinton warf den Republikanern vor, Obama bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren wirtschaftlich eine "totale Sauerei" hinterlassen zu haben. "Kein Präsident, nicht ich, keiner meiner Vorgänger, hätte jemals den Schaden reparieren können, den er in nur vier Jahren vorgefunden hat", sagte er. Bei der Wahl gehe es darum, welchen Weg die Amerikaner künftig weiter beschreiten wollten. "Wenn Sie ein Land mit geteiltem Wohlstand und geteilter Verantwortung wollen, eine Gesellschaft, in der wir alles gemeinsam durchstehen, dann sollten Sie Barack Obama wählen."

"Verdammt, er hat sogar Hillary ernannt"
Punkt für Punkt und von vielen Zahlenbeispielen untermalt, zählte Clinton die Erfolge der Obama-Regierung auf. Von der Rettung der US-Autoindustrie bis zur Verabschiedung seiner Gesundheitsreform habe der Amtsinhaber viele Erfolge gefeiert. "Ist der Präsident zufrieden? Nein. Stehen wir besser da als damals, als er ins Amt kam? Die Antwort ist Ja." Clinton reagierte damit auf Romneys Hauptthese in seiner Wahlkampagne, unter Obama hätten sich die Verhältnisse für die Bevölkerung verschlechtert.

Dem Auftritt Clintons wurde sehr große Bedeutung beigemessen, da der Ex-Präsident als beliebtestes Mitglied der Partei gilt. Das Verhältnis von Clinton und Obama war einst sehr angespannt, weil Clintons Ehefrau Hillary 2008 die parteiinternen Vorwahlen um die Präsidentenkandidatur gegen Obama verloren hatte. Heute ist sie als Außenministerin Teil der Regierung. Schon die Einbindung seiner damaligen Kontrahentin zeige, dass der 51-Jährige auf Kooperation statt Auseinandersetzung setze, sagte Clinton mit einem Augenzwinkern: "Verdammt, er hat sogar Hillary ernannt."

Clintons Unterstützung starkes Signal an die Wähler
Am Ende der Rede kam Obama selbst zu Clinton auf die Bühne, der Ex-Präsident verbeugte sich vor seinem Nachfolger. Gemeinsam winkten sie in die Menge und schüttelten Hände. Viele im Publikum der prall gefüllten Basketballarena nutzten die Gelegenheit, den gemeinsamen Auftritt der US-Präsidenten Nummer 42 und 44 zu fotografieren. Zu Wort meldete sich Obama aber nicht.

Clintons Rede und die Demonstration seiner vollen Unterstützung für Obama wurde von amerikanischen Medien wohlwollend kommentiert. Der Altpräsident habe einen der besten Auftritte seiner Karriere hingelegt, heißt es. Besonders der gemeinsame Auftritt mit Obama wird als starkes Signal an den Wähler interpretiert. Clintons Show beeindruckte offenbar auch die Konkurrenz. CNN zitiert einen republikanischen Wahlkampf-Berater mit den Worten: "Dieser Moment verhilft Obama wahrscheinlich zur Wiederwahl."

Obama offiziell nominiert
Nach Clintons Auftritt begannen Delegierte aus allen Bundesstaaten, die Nominierung offiziell zu bestätigen. Annehmen wird der Präsident die erneute Spitzenkandidatur erst in seiner Rede zum Abschluss des dreitägigen Parteikonvents. Bei den parteiinternen Vorwahlen hatte Obama keine ernsthaften Gegenkandidaten. Er stellte sich gemeinsam mit seinem Vizepräsidenten Joe Biden der Wiederwahl.

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