Militärheld Obama
US-Demokraten zücken die “Bin-Laden-Karte”
Gleich drei prominente Redner (Bilder) brachten in der ersten Nacht beim Parteitag in Charlotte das Thema Osama bin Laden zur Sprache. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, erklärte etwa, dass Obama "die schwierige, aber richtige Entscheidung getroffen habe, den schlimmsten Terroristen der Welt einer gerechten Strafe zuzuführen" - obwohl ihm "einige" gesagt hätten, es zahle sich nicht aus, für Bin Laden "Himmel und Hölle zu bewegen". Mit "einige" sind angeblich republikanische Skeptiker gemeint, über die sich Obama habe hinwegsetzen müssen. Auch Tim Kaine, ehemaliger demokratischer Gouverneur von Virginia, sprach von einem angeblichen republikanischen Widerstand.
Noch vor ein paar Wochen wurde das Thema Bin Laden bei Wortgefechten zwischen Demokraten und Republikanern außen vor gelassen. Als am Dienstag Paul Ryan - Romneys Kandidat für den Vizepräsidenten, der von seiner Partei als Gegenstimme nach North Carolina geschickt wurde - Obama erneut vorwarf, das Land in den vergangenen vier Jahren nicht vorangebracht zu haben, konterte Obamas Vizepräsident Joe Biden allerdings, dass der Präsident die Autoindustrie gerettet und den Terrorchef Bin Laden getötet habe. "Amerika geht es heute besser", sagte Biden.
Versehrte Army-Pilotin lobt "Commander in chief"
Nach Reid und Kaine brachte die ehemalige Army-Hubschrauberpilotin Tammy Duckworth noch eine Portion Emotion in die Thematik. Die Soldatin hatte beide Beine verloren, als ihr Kampf-Helikopter bei einem Einsatz im Irak abgeschossen wurde, und will jetzt für die Demokraten in den Senat von Illinois einziehen.
Dem Publikum erklärte sie, Obama habe seine Aufgaben als "Commander in chief" voll und ganz erfüllt, indem er den Krieg im Irak beendet habe, seinen Fokus auf Afghanistan verlagere und gleichzeitig Terroristenanführer wie Bin Laden "auslösche". Auch sei es Obama gewesen, der weiblichen Soldaten endlich erlaubt habe, an Kampfoperationen im Gefecht teilzunehmen, sowie durch die Abschaffung der "Don't ask, don't tell"-Regel das Leben homosexueller Soldaten und Soldatinnen erleichtere.
Obamas republikanischer Konkurrent Mitt Romney musste von der Soldatin Kritik einstecken, weil er in seiner Rede beim Parteitag der Republikaner den Krieg in Afghanistan und das Militär nicht erwähnt hatte. "Romney hatte dort eine Gelegenheit, seine Unterstützung für die mutigen Männer und Frauen, die er künftig befehligen möchte, zu zeigen. Aber er wollte lieber den Präsidenten kritisieren und das Wort 'Afghanistan' nicht einmal in den Mund nehmen", so Duckworth.
Obama-Rede am Donnerstag im Stadion
Die dreitägige "Democratic National Convention" hat am Dienstag mit etlichen "Aufwärmreden" und der viel beachteten Ansprache der First Lady Michelle Obama begonnen (siehe Bericht in der Infobox). Barack Obama wird seine Rede am Donnerstag im Football-Stadion der Carolina Panthers halten. Die Demokraten erwarten nach eigenen Angaben mindestens 35.000 Besucher und Hunderte Journalisten aus aller Welt. Mehr als 80 Redner sollen auf der Bühne der Sportarena werben.
Dass es dabei um Obamas militärische Erfolge bzw. die militärischen Herausforderungen für das Land gehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Schlagwörter Wirtschaft, Krise und Arbeitslosigkeit werden dominieren. Schließlich liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei 8,3 Prozent - und noch kein Präsident hat eine Wahl bei einer Quote von über 8 Prozent gewonnen.
Nach der dreitägigen Convention sind die nächsten wichtigen Termine im US-Wahlkampf drei TV-Debatten zwischen Obama und Romney im Oktober. Die Wahl selbst findet am 6. November statt.
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