Emotionale Rede
First Lady: “Barack nimmt Probleme persönlich”
Der Auftritt der beliebten Präsidenten-Gattin zur besten TV-Sendezeit sollte Obama wichtige Sympathiepunkte für die Wahl am 6. November einbringen. "Wir müssen noch einmal zusammenkommen und zusammenstehen für den Mann, dem wir vertrauen können, dass er dieses Land weiter nach vorn bringt", sagte Michelle Obama am Ende ihrer emotionalen Rede, in der sie tief in die Familiengeschichte eintauchte.
"Wenn es darum geht, unsere Wirtschaft wieder aufzubauen, dann denkt Barack an Leute wie meinen Vater und seine Großmutter", erinnerte sie an die bescheidenen Verhältnisse, in denen beide aufwuchsen. So hätten sie und ihr Mann noch lange an ihren Studienkrediten zu nagen gehabt. "Wir waren so jung, so verliebt und so verschuldet", sagte sie mit sanfter Stimme ins Mikrofon. Die First Lady setzte damit einen Kontrapunkt zum republikanischen Herausforderer Mitt Romney, der Spross eines erfolgreichen Geschäftsmanns ist.
"Präsident zu sein, zeigt, wer du bist"
Wie vor ihr Romneys Ehefrau Ann am Parteitag der Republikaner stellte auch Michelle Obama die persönliche Beziehung zu ihrem Gatten in den Mittelpunkt ihrer Rede. Sympathisch und ruhig zählte die Präsidentengattin die Vorzüge ihres Mannes auf: charakterfest, sozial engagiert, ein toller Vater. Die Erfahrung der Präsidentschaft habe die beiden noch enger zusammengeführt. "Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, aber heute liebe ich meinen Mann sogar noch mehr als vor vier Jahren", sagte sie. Das liege auch daran, dass sie in der Zeit viel über ihn gelernt habe. "Ich habe aus erster Hand erfahren, dass Präsident zu sein dich nicht verändert - es zeigt, wer du bist."
Neben seiner Gattin stellte der ehemalige Präsident Jimmy Carter Obama per Videozuschaltung ein blendendes Zeugnis in der Außenpolitik aus. "Präsident Obama hat das Ansehen der USA in der Weltgemeinschaft wiederhergestellt", sagte der 87-Jährige. Durch Dialog und Zusammenarbeit habe er den Geist von Vertrauen und guten Willen zurück in internationale Beziehungen gebracht, meinte der Friedensnobelpreisträger.
Demokraten nehmen Großverdiener ins Visier
Zum Auftakt des dreitägigen Parteitags, der mit knapp 50 Reden eröffnet wurde, unterstützten die Demokraten auch Obamas Vorhaben, die Steuern für Großverdiener zu erhöhen. Bürger mit einem Einkommen von mehr als 250.000 Dollar sollen künftig kräftiger zur Kasse gebeten werden, heißt es in dem verabschiedeten Parteiprogramm. Für die restlichen 98 Prozent der Bevölkerung sollen die Steuern gleichbleiben. Die Republikaner lehnen Steuererhöhungen grundsätzlich ab.
Das Parteimanifest der Demokraten befürwortet im Gegensatz zu der republikanischen Version auch die gesetzliche Gleichbehandlung homosexueller Paare. Es bekräftige auch das Recht der Frauen, selbst über eine Abtreibung zu entscheiden. Die Republikaner sind kategorisch gegen Abtreibungen ab, auch wenn das Leben der Mutter auf dem Spiel steht oder nach Vergewaltigungen oder Inzest.
Ex-Präsident Bill Clinton hält Nominierungsrede
Am Mittwochabend wollen die knapp 6.000 Delegierten Obama offiziell als ihren Kandidaten aufstellen. Die Nominierungsrede wird Ex-Präsident Bill Clinton halten. Obamas große Antrittsrede folgt am Donnerstag. Ziel des medienwirksamen Parteitages ist es, die Weichen für die Wiederwahl zu stellen. Für Romney hatte das in der vergangenen Woche laut einer am Dienstag veröffentlichten Gallup-Umfrage nicht funktioniert. Ihr zufolge kommt Romney auf 46 Prozent Zustimmung, Obama auf 47. Noch eine Woche zuvor habe Romney einen hauchdünnen Vorsprung gehabt.
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