Man werde ohne lange Vorwarnungen in den nächsten Wochen punktuell zu Streiks aufrufen, erklärte Gewerkschaftschef Baublies. Außerdem werde eine flächendeckende Arbeitsniederlegung vorbereitet. Am Dienstag werde es allerdings noch zu keinem Streik kommen, ergänzte Verhandlungsführer Dirk Vogelsang.
Die rund 19.000 Stewardessen und Stewards haben bis auf kleinere Aktionen bisher noch nie gestreikt. Die Mitglieder sollen per Mail und SMS zu den Aktionen aufgerufen werden. UFO hat nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Flugbegleiter organisiert.
Verhandlungen in der Nacht gescheitert
Die Streikforderungen beziehen sich nun allein auf den offenen Tarifvertrag zu Vergütungsfragen, der Entgelte und Gehaltsstufen regelt. In der Nacht waren langwierige Verhandlungen um eine Gesamtlösung gescheitert. Die Verhandlungspartner wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für den Misserfolg zu.
Das Gesamtforderungspaket der UFO sei zu hoch gewesen, erklärte ein Sprecher der Lufthansa. UFO habe die Chance verpasst, die Leiharbeit bei Lufthansa zu beenden.
Lufthansa habe materiell zu wenig angeboten und sich bei den wichtigen Strukturfragen nicht bewegt, erklärte hingegen Vogelsang. Vor allem habe das Unternehmen darauf bestanden, im Konzern die neue Direktflugtochter mit niedrigeren Tarifen zu gründen. UFO fürchtet, dass bis zu 2.000 Flugbegleiter von der Lufthansa zu der Billigtochter versetzt werden sollen. "Wo Lufthansa drauf steht, muss auch Lufthansa drin sein", sagte Vogelsang. Auch auf eine von UFO angebotene Schlichtung sei Lufthansa nicht eingegangen.
Gehalt und Leiharbeit als Hauptstreitpunkte
UFO hatte neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen verlangt. Sie wollte zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die angestrebte Direktflugtochter mit damit verbundenen Einkommenseinbußen verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten.
Dieses System mit fortwährenden Hochstufungen nach dem Senioritätsprinzip will Lufthansa nicht mehr akzeptieren und hatte eine Abflachung der Stufen verlangt.
Das Einstiegsgehalt für Lufthansa-Flugbegleiter beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1.533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage. Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4.000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7.000 Euro.
3.500 Verwaltungsjobs werden abgebaut
Europas größte Fluggesellschaft Lufthansa sieht sich wegen des starken Wettbewerbs und anstehender Milliarden-Investitionen zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen. Eine wichtige Stellschraube im 1,5 Milliarden Euro schweren Sparprogramm "Score" sind dabei die im Vergleich zum Wettbewerb sehr hohen Personalkosten. Lufthansa hat bereits den Abbau von 3.500 Stellen in der Verwaltung angekündigt, will beim Kabinenpersonal aber ohne Kündigungen auskommen.
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