Vorfall in Israel
Rassismus-Debatte wegen “versuchtem Lynchmord”
Auslöser der Gewalt am Donnerstag vergangener Woche war ein Mädchen der jüdischen Gruppe, das behauptete, ein Araber habe sie vergewaltigt, und nun gelte es Rache zu nehmen. Nach dem Vorfall zeigt sich die israelische Gesellschaft erschüttert - und fragt sich, wie es so weit kommen konnte in der "einzigen Demokratie" des Nahen Ostens, wie sich Israel selbst bezeichnet.
"Er ist doch nur ein Araber"
Fast ebenso schrecklich wie die Tat selbst war das, was einer der festgenommenen acht Verdächtigen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren später von sich gab. "Wenn's nach mir ginge, soll er doch sterben. Er ist doch nur ein Araber", zitierte die Zeitung "Haaretz" den erst 14-Jährigen während einer Anhörung vor Gericht. Eines der beteiligten Mädchen wiederum zeigte der Richterin lediglich den Stinkefinger. Von Reue oder Mitleid mit dem Opfer, das erst nach einem mehrtägigen künstlichen Koma auf der Intensivstation wieder zu sich kam, keine Spur.
Premier Benjamin Netanyahu bemühte sich indes um Schadensbegrenzung, zumal er Israel ohnehin internationaler Kritik ausgesetzt sieht - wegen der Besatzungspolitik im Westjordanland, dem Siedlungsbau, der Blockade des Gazastreifens und wegen den Kriegsdrohungen gegen den Iran. "Der Staat Israel toleriert weder Rassismus noch Gewalt", die Täter würden bestraft, erklärte Netanyahu. Israel sei ein demokratischer und aufgeklärter Staat, in dem alle führenden Persönlichkeiten gegen solche Vorkommnisse seien. "Dies unterscheidet uns von unseren Nachbarn."
Präsident Shimon Peres las Eltern, Lehrern und Erziehern die Leviten. Sie seien aufgerufen, die nächste Generation "nicht nur zu Tapferkeit, sondern auch zu Großzügigkeit" zu erziehen. "Wir müssen Werte vermitteln, die ein wenig ins Vergessen geraten sind. Das Land ist uns lieb, aber das menschliche Leben ist genauso wichtig."
Die Zeitung "Jediot Achronot" schrieb, viele Palästinenser hätten jetzt Angst, nachts das Haus zu verlassen. "Was in Jerusalem passiert ist, kann sich ebenso hier in Jaffa ereignen. Hier gibt es genügend rassistische Juden", zitierte das Blatt den 22-jährigen Ahmed Mahmid.
Beide Seiten beanspruchen Jerusalem
Das Verhältnis zwischen den 5,9 Millionen jüdischen Israelis und der Minderheit von 1,6 Millionen arabischen Israelis ist extrem gespannt, vor allem in Jerusalem, der Nahtstelle des Konflikts. Israel bezeichnet Jerusalem als seine "unteilbare Hauptstadt", die Palästinenser hingegen beanspruchen das 1967 von Israel besetzte Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Staates.
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