Welt-Aids-Konferenz
Clinton: “Geld im Kampf gegen HIV besser einsetzen”
Mit ermunternden Statistiken und Forschungsergebnissen im Rücken hatten Experten bei der 19. Welt-Aids-Konferenz den Anfang vom Ende der HIV-Epidemie angekündigt. "Wir glauben, dass ein Ende der Aids-Epidemie möglich ist", sagt Elly Katabira, Präsident der Internationalen-Aids-Gesellschaft (IAS), die das Treffen organisiert hat. Aber nach einem sechstägigen Mammutprogramm mit rund 25.000 Teilnehmern und Hunderten Veranstaltungen war auch klar: Bis dieses Ende wirklich erreicht ist, werden noch Jahre, wahrscheinlich eher Jahrzehnte vergehen. Und: Die Wirtschaftskrise könnte ordentlich dazwischenfunken.
"Jetzt muss gehandelt werden"
"Wir wissen heute besser als je zuvor, wie wir HIV/Aids besiegen können. Wir wissen, welche Medikamente gebraucht werden, mit welchen Modellen die Therapie auch in das entlegenste Dorf gebracht werden kann und wie wir mit frühzeitiger Behandlung Neuinfektionen verhindern können", sagt Oliver Moldenhauer von der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen. "Jetzt muss gehandelt werden - vor allem die Regierungen sind gefordert." Neu entwickelte Medikamente seien immer noch deutlich zu teuer. Viele Länder müssten dringend mehr Geld in den Kampf gegen Aids investieren.
Kriselnde Wirtschaft macht Unterstützung schwieriger
Doch solche Forderungen stoßen angesichts einer kriselnden Wirtschaft in vielen Ländern auf betretenes Schweigen. Zahlreiche hochkarätige Regierungsmitglieder aus aller Welt und prominente Aids-Aktivisten ließen sich auf der Konferenz blicken, aber einzig US-Außenministerin Hillary Clinton versprach frisches Geld aus den USA. Dabei geht die Finanzierungslücke laut dem HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) schon jetzt jedes Jahr in die Milliarden - und Experten befürchten, dass das noch schlimmer werden könnte.
Ex-Präsident Clinton nannte den transparenterer Umgang mit der Finanzierung, Investitionen, die nicht auf Basis von politischem Willen, sondern von wissenschaftlichen Beweisen entschieden wurden, und mehr Verantwortung für nationale Regierungen und lokale Hilfsorganisationen als Voraussetzungen im weiteren Kampf gegen Aids. "Manche internationale Berater verdienen bis zu 600 Dollar (487 Euro) am Tag - davon könnte man drei Menschen je ein Jahr lang mit Medikamenten versorgen."
Clinton, der bereits zum vierten Mal bei einer Aids-Konferenz sprach, setzt sich mit einer von ihm gegründeten Stiftung seit Jahren unter anderem im Kampf gegen HIV ein. Mithilfe des ehemaligen US-Präsidenten schickte der südafrikanische Freiheitskämpfer und Ex-Präsident Nelson Mandela eine Botschaft an die Teilnehmer der Welt-Aids-Konferenz. "Sag ihnen, dass ich in Pension bin", habe der 94-Jährige ihm aufgetragen, erzählte Bill Clinton. "Aber ich wünsche ihnen alles Gute." Clinton hatte Mandela in der vergangenen Woche anlässlich seines Geburtstags in Südafrika besucht. Mandela, dessen Sohn an den Folgen von HIV gestorben war, gilt als einer der Protagonisten im Kampf gegen Aids.
"Konferenz war enormer Erfolg"
Die 19. weltgrößte Aids-Konferenz sei ein "enormer Erfolg gewesen", sagte die Fraktionschefin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. "Wir verlassen sie mit einem gesteigerten Optimismus in Hinblick auf die Fortschritte der Wissenschaft." Die internationalen Ausgaben im Kampf gegen HIV dürften allerdings nicht gesenkt werden. "Wenn wir unsere Investitionen herunterfahren, ist das eine falsche Rechnung, die am Ende mehr kosten wird - mehr Geld und viele Leben."
Kritik von Hilfsorganisationen
Hilfsorganisationen zeigten sich weniger zufrieden mit den Ergebnissen der Konferenz. Das Treffen habe noch keine großen Durchbrüche erzielt, sagte Carsten Schatz, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe. Er forderte außerdem mehr deutsche Forschungsanstrengungen zur Heilung von HIV.
Kritik gab es auch an der geplanten Reform des milliardenschweren Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Hilfsorganisationen befürchten nun, dass viele HIV-Infizierte keine Unterstützung mehr bekommen. "Wenn der Globale Fonds jetzt seine Investitionen zurückfährt, wird das verheerende Konsequenzen haben, die in manchen Ländern schon ansatzweise zu sehen sind", sagte Nadia Rafif von der Organisation für den Kampf gegen Aids (ALCS) in Marokko. Sie forderte außerdem mehr Transparenz und eine effizientere Organisation des Fonds.
Neue IAS-Präsidentin hat Amt übernommen
Zum Abschluss der Konferenz wandte sich auch die neue Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft, Francoise Barre-Sinoussi, erstmals in neuer Funktion an die rund 25.000 Teilnehmer. Die französische Nobelpreisträgerin hatte im Rahmen der Konferenz, die von der IAS organisiert wird, das Amt von Vorgänger Elly Katabira übernommen. Sie wolle in ihrer zweijährigen Amtszeit besonderes Augenmerk auf die Probleme von Frauen mit HIV legen, sagte Barre-Sinoussi. Die 20. Welt-Aids-Konferenz soll im Juli 2014 im australischen Melbourne stattfinden.
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