Nach drei Wochen
Männerbeauftragter in der Schweiz schmeißt Job hin
Der 39-jährige Soziologe hatte seinen historischen Posten am 1. Juli angetreten. Die Schaffung der Stelle hatte hohe Wellen geschlagen (siehe Infobox). Nach offizieller Darstellung sollte damit die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern hergestellt werden. Als Männerbeauftragter sollte Theunert unter anderem Buben unterstützen, die eine Karriere in einem traditionellen Frauenberuf anstreben. Außerdem sollte er Väter in der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beraten.
Kanton und Soziologe bemüht diplomatisch
Doch keine drei Wochen nach seinem Amtsantritt hat Theunert den Job schon wieder hingeschmissen. Er habe sich geweigert, den Vorsitz der Organisation "Männer.ch" abzugeben, erklärte die Kantonsverwaltung am Dienstag. Eine Doppelfunktion sei jedoch nicht möglich.
Die Fachstelle habe seine weitere Anstellung an die Bedingung geknüpft, er solle von seinem Amt als Präsident des Vereins zurücktreten, ist auch der Soziolge selbst in einer persönlichen Erklärung, die am Dienstag auf der Internetseite des Vereins publiziert wurde, sichtlich um Diplomatie bemüht. Diese Entwicklung bedauere er, erkenne aber selbstkritisch, "die Problematik meiner Doppelrolle unterschätzt zu haben", zitierte die NZZ aus Theunerts Schreiben.
Porno-Vorschlag als wahrer Grund für Rücktritt?
Tatsächlich könnte aber eine erste Belastungsprobe in der Vorwoche Auslöser für den Rücktritt des ersten Männerbeauftragten der Schweiz gewesen sein: Theunert hatte in seiner Funktion als Vereinspräsident von "Männer.ch" mit einem Vorschlag für Entrüstung gesorgt, Jugendlichen unter 16 Jahren in der Schule zu pädagogischen Zwecken Pornofilme zu zeigen.
Demnach sollten sich Eltern und geschulte Fachleute im Rahmen einer anstehenden Revision des Strafgesetzbuches nicht strafbar machen, "wenn sie mit klarem pädagogischen Ziel innerhalb eines sorgfältig gewählten und klar definierten Settings pornografische Darbietungen unter 16-Jährigen zugänglich machen", so der 39-jährige Soziolge.
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