Rätsel um das Warum
“Batman”-Bluttat: 24-Jähriger ohne Regung vor Gericht
Fernsehbilder, die live aus dem Gerichtssaal gesendet wurden, zeigten einen jungen Mann mit grellrot-orange gefärbten Haaren in dunkelroter Gefängniskleidung, der absolut keine Gefühlsregung zeigte. Meistens starrte er ins Leere, immer wieder hatte er während der Ausführungen des Richters Mühe, die Augen offen und den Kopf aufrecht zu halten. Beim Aufstehen musste ihn seine Pflichtverteidigerin stützen. Es schien, als ob er unter Medikamenten gestanden wäre. Der 24-Jährige verweigerte jegliche Aussage und ließ lediglich seine Anwältin für sich sprechen.
Der Richter verfügte, dass Holmes in Untersuchungshaft bleiben müsse und keine Chance auf Kaution habe. Er verbot dem 24-Jährigen, Überlebende des Massakers in dem Kino im Vorort von Denver oder Angehörige der Opfer zu kontaktieren. Bei dem Amoklauf während der Premiere des neuen "Batman"-Films "The Dark Knight Rises" in Aurora starben zwölf Menschen, weitere 58 wurden verletzt.
Beantragung der Todesstrafe möglich
Nach Angaben der Staatsanwältin Carol Chambers ist Holmes in Isolationshaft. Bis zur Eröffnung des Prozesses könnte es rund ein Jahr dauern, sagte die Staatsanwältin nach der Anhörung. Es gebe eine gewaltige Menge an Beweisen, die, wie in jedem anderen Fall auch, genau geprüft würden.
Nicht ausgeschlossen sei die Beantragung der Todesstrafe. Ob es dazu komme, hänge vom Einverständnis der Opferfamilien ab, hieß es. Die Todesstrafe müsste innerhalb von 60 Tagen nach Anklageerhebung beantragt werden. Sie wird im Bundesstaat Colorado äußerst selten verhängt.
Rätselraten um das Warum geht weiter
Warum die zwölf Amerikaner, darunter auch die erst sechs Jahre alte Veronica, am vergangenen Freitag sterben mussten, weiß also weiter niemand außer Holmes selbst. Nicht nur bei seinem Auftritt vor Gericht, auch gegenüber der Polizei bewahrt er seit seiner Festnahme eisernes Stillschweigen. "He has lawyered up", nennt es Auroras Polizeichef Dan Oates: Holmes verschanzt sich hinter Anwälten.
Das Rätselraten bleibt also: Was hat den begabten, schüchternen Studenten der Neurowissenschaft dazu bewogen, mit zwei Gewehren und zwei Pistolen bewaffnet das Kino zu stürmen und offenbar wahllos um sich zu schießen? Unvermittelt habe er sein Doktorandenstudium abgebrochen, heißt es. Er habe sich noch mehr als ohnehin schon in seine Studentenwohnung unweit des Tatortes zurückgezogen. Doch viel mehr fiel nicht an ihm auf.
Dass er sich mehr als 6.000 Schuss Munition für seine Waffen im Internet bestellt hatte, stellte man erst nach der Wahnsinnstat fest. Auch ein Trommelmagazin für 100 Patronen zum Abfeuern der Kugeln im Sekundentakt und eine schusssichere Weste hatte er online gekauft. "So einfach wie ein Buch zu bestellen", beschrieb es die "New York Times".
Wohl über Wochen deckte er sich mit dem explosiven Material ein, mit dem er sein Apartment in eine Falle verwandelte, die ebenfalls für viele Menschen den Tod bringen hätte können, hätten die Ermittler es nicht geschafft, die zahlreichen Sprengsätze zu entschärfen. Das alles klingt nicht nach einem spontanen Ausraster, sondern nach einem gezielten Plan, den es für die Ermittler herauszufinden gilt.
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