Gedenken in Norwegen

Ein Jahr nach Attentaten: “Breivik ist gescheitert”

Ausland
22.07.2012 22:16
Norwegen hat am Sonntag an die Opfer der Anschläge von Oslo und Utöya erinnert. Regierungschef Jens Stoltenberg würdigte bei einer Gedenkveranstaltung zum ersten Jahrestag der Gewalttaten die Reaktion seiner Landsleute auf die Ermordung von 77 Menschen. Der rechtsextreme Attentäter Anders Behring Breivik sei damit gescheitert, das Land mit "der Bombe und den Kugeln" verändern zu wollen, sagte Stoltenberg.

Mit Gottesdiensten und Zeremonien gedachte das ganze Land der 77 Toten. Stoltenberg legte zunächst einen Kranz im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo nieder, wo Breivik am 22. Juli 2011 mit einer Autobombe acht Menschen tötete. Anschließend begab er sich auf die Insel Utöya, wo der 33-jährige Breivik 69 Menschen erschossen hatte, darunter zahlreiche Teilnehmer eines Sommerlagers der Jugendorganisation der regierenden Arbeiterpartei von Stoltenberg.

"Die Bombe und die Kugeln zielten darauf ab, Norwegen zu verändern", sagte Stoltenberg. Die Norweger hätten aber an ihren Werten festgehalten. "Der Mörder ist gescheitert, das Volk hat gewonnen." An der Zeremonie nahmen auch Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit teil, deren Stiefbruder bei dem Anschlag auf Utöya getötet worden war. König Harald, Königin Sonja und Prinzessin Märtha Louise wohnten mit Stoltenberg einem Gottesdienst in der Osloer Kathedrale bei.

Auf Utöya legten Angehörige und Überlebende Blumen nieder und stellten Steine mit den Namen der Opfer auf. Stoltenberg bezeichnete es als "beeindruckend", wie die Jugend des Landes nach den Anschlägen zusammengerückt sei. "Obwohl wir eine schwere Last tragen, sind wir jeden Tag aufrecht", sagte der Chef der Jugendorganisation der Arbeiterpartei, Eskil Pedersen.

Musikalischer Trost von Bruce Springsteen
Den Abschluss der Gedenkfeiern bildete ein Konzert vor dem Rathaus in Oslo, zu dem trotz Regens laut Polizei rund 50.000 Menschen kamen. Viele Teilnehmer, darunter auch Mitglieder der Königsfamilie, kamen mit Rosen, traditionell ein Symbol der Arbeiterpartei, aber seit den Anschlägen auch ein Zeichen der Solidarität für die Opfer. Bei dem Konzert trat neben skandinavischen Künstlern auch US-Rocklegende Bruce Springsteen auf. Er widmete das Lied "We Shall Overcome" ("Wir werden es überwinden") den Opfern und deren Familien.

Der wegen "Terrorakten" angeklagte Breivik hatte die Taten vor Gericht gestanden, aber zugleich erklärt. Er sah darin "Notwehr", um gegen die vermeintliche Islamisierung des Landes und das angebliche "multikulturelle Experiment" der Regierung zu kämpfen. Das Urteil gegen den 33-Jährigen wird für den 24. August erwartet. Ihm droht eine lange Haftstrafe oder eine Einweisung in die Psychiatrie - je nachdem, ob ihn das Gericht für schuldfähig befindet oder nicht.

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