Gegen Verhandlungen
Nawalnys Witwe: Putin ist ein „blutiges Monster“
Julia Nawalnaja, die Witwe des in Haft gestorbenen russischen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny, hat vor dem EU-Parlament eine Rede gehalten. Darin warnte sie vor Verhandlungen mit Präsident Wladimir Putin. „Sie haben es nicht mit einem Politiker zu tun, sondern mit einem blutigen Monster“, erklärte sie.
Putin sei zu allem fähig, man könne mit ihm nicht verhandeln, betonte sie am Mittwoch in Straßburg. Er könne nur mit neuen Methoden besiegt werden, nicht aber mit Resolutionen oder Sanktionen, erklärte sie mit Verweis auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
Nawalny jahrelang „gefoltert“
Mit Blick auf ihren im Alter von 47 Jahren in russischer Haft verstorbenen Mann sagte Nawalnaja, er sei nach seiner Verhaftung auf Geheiß Putins drei Jahre lang „gefoltert“ und schließlich getötet worden. Auch sein Leichnam sei „misshandelt“ worden, schilderte die Witwe des Oppositionellen.
Nach dem Tod „misshandelt“
„Er wurde in einer winzigen Steinzelle ausgehungert, von der Außenwelt abgeschnitten. Man verweigerte ihm Besuche, Telefonanrufe, ja sogar Briefe. Und dann töteten sie ihn. Selbst danach misshandelten sie noch seinen Körper und sie misshandelten seine Mutter“, so Nawalnaja laut dem von Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch veröffentlichten englischsprachigen Redetext. Die Behörden hatten Nawalnys Mutter Ljudmila Nawalnaja tagelang die Herausgabe des Leichnams ihres Sohnes verweigert.
Nawalny war am 16. Februar überraschend im Straflager „Polarwolf“ in Sibirien gestorben. Russische Behörden gaben eine natürliche Todesursache an. Vorwürfe einer staatlichen Verwicklung wiesen sie zurück. Anhänger Nawalnys und führende westliche Politiker machen indes Putin für den Tod des Oppositionspolitikers verantwortlich. Nawalnajas Rede wurde von den Abgeordneten mit lang anhaltendem, stehenden Applaus bedacht.
In diesem Kampf haben Sie zuverlässige Verbündete. Es gibt viele Millionen Russen, die gegen den Krieg, gegen Putin, gegen das Böse sind.
Nawalnaja ermutigte in ihrer Rede zum Kampf gegen Putin mit anderen Methoden als Sanktionen und Diplomatie.
Befürchtet Festnahmen bei Begräbnis
Am Freitag soll Nawalny in Moskau beigesetzt werden. Nawalnaja sagte, sie sei sich nicht sicher, ob das Begräbnis samt Trauergottesdienst friedlich verlaufen oder ob die Polizei eingreifen werde.
Nawalny war der bekannteste Oppositionelle in Russland und einer der schärfsten Putin-Kritiker. Er prangerte insbesondere Korruption und Gier an und bezeichnete die Staatsführung als „Gauner und Diebe“. Seine Beiträge im Internet wurden millionenfach aufgerufen. Er war zu mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden.








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