Bröckelt die Macht?
Elite-General der Assad-Garde aus Syrien geflohen
Maher al-Assad ist auch Befehlshaber der vierten Panzerdivision (Bild 2) des Heeres. Der 45-Jährige gilt als gewalttätig, aufbrausend und skrupellos. Nach Bashar al-Assad ist er der zweitmächtigste Mann in Syrien, manche bezeichnen ihn als die "eiserne Faust" des Regimes, da die vierte Panzerdivision ganz besonders für das blutige Vorgehen gegen Regimegegner verantwortlich gemacht wird.
Die republikanische Garde soll nach Angaben von Oppositionellen und Menschenrechtskreisen mit Helikoptern, Panzern und Artillerie gegen Aufständische vorgehen. Es wird ihnen auch vorgeworfen, mit Messern auf die Bevölkerung loszugehen und etwa Kindern die Kehlen durchzuschneiden. Maher al-Assad ist zudem Mitglied des Zentralkomitees der herrschenden Baath-Partei.
Garde hält Assad-Regime an der Macht
Die Republikanische Garde, mitunter auch als Präsidenten-Garde bezeichnet, soll - eine offizielle Bestätigung gibt es nicht - rund 10.000 Mann umfassen. Sie gilt als wichtigste Kraft zum Schutz des Regimes, auch vor inländischen Bedrohungen. Sie ist beispielsweise für die Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Hauptstadt Damaskus zuständig. Sie kontrolliert die Region rund um den Präsidentenpalast und das Nobel-Viertel rund um die Malki-Straße, wo Mitglieder der syrischen Führungsschicht aber auch ausländische Botschaften zu Hause sind.
Der im Juni 2000 verstorbene frühere syrische Präsident Hafez al-Assad - Vater von Bashar und Maher - gründete die Wache im Jahr 1976, nach einer Serie von gewalttätigen Übergriffen in Damaskus durch palästinensische Gruppen. Diese hatten gegen den syrischen Einfluss im Libanon protestiert. Er vertraute die Garde zuerst Adnan Makhlouf an, einem Cousin seiner Frau. Später überwarf sich Makhlouf angeblich mit Assad, jedenfalls wurde seine Macht 1995 deutlich beschnitten.
Nur Männer von unzweifelhafter Loyalität in Garde
Chancen auf einen Posten im Offizierskorps der Republikanischen Garde hatten bisher nur Männer von unzweifelhafter Loyalität gegenüber dem Regime und der Präsidentenfamilie Assad.
Auch Bashar al-Assad diente als Offizier in der Republikanischen Garde, während er nach dem Tod seines Bruders Basil - der eigentlich als Nachfolger seines Vaters Hafez vorgesehen war - auf das Präsidentenamt vorbereitet wurde. Seither pflegte der Präsident enge Kontakte zu vielen Garde-Offizieren.
Verliert Assad Rückhalt in den eigenen Reihen?
Auch General Tlas galt als Freund von Assad. Er war einer der wenigen sunnitischen Muslime in der von Alawiten dominierten Führungsschicht. Sollten sich die Berichte bestätigen, könnte seine Flucht darauf hindeuten, dass der Rückhalt für den autokratisch regierenden Staatschef in den Reihen der wohlhabenden Sunniten schwindet.
Aus Oppositionskreisen hieß es, General Tlas sei erbost über die Entscheidung Assads gewesen, militärisch gegen die Rebellen vorzugehen. Sein Vater Mustafa Tlas - von 1972 bis 2004 Verteidigungsminister Syriens und enger Vertrauter der Assads - sowie ein Bruder von Tlas haben Syrien nach Ausbruch der Revolte vor mehr als 16 Monaten bereits verlassen. Seitdem sind nach Angaben von Regimegegnern Tausende Syrer getötet worden.
Streitkräfte nach sowjetischem Vorbild aufgebaut
Die syrischen Streitkräfte - vor dem Bürgerkrieg knapp 300.000 Mann - sind internationalen Medienberichten zufolge nach sowjetischem Vorbild aufgebaut und verwenden bis heute fast ausschließlich sowjetische Waffen. Das Material soll dementsprechend veraltet sein. Neue Waffen kauft Syrien vorwiegend in Russland.
Zwischen 2010 und 2011 importierte es Luftwaffenabwehrsysteme und Raketen im Wert von 540 Millionen US-Dollar, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri neulich laut der "Neuen Zürcher Zeitung" vorrechnete. Das Szenario einer Intervention von außen, ähnlich der NATO-Attacke auf Libyen im vergangenen Jahr, ist unwahrscheinlich. Die Experten sind sich jedoch einig, dass die syrische Armee kaum in der Lage wäre, einer solchen Intervention lange standzuhalten.
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