Für gleiche Rechte
Gay-Paraden in Osteuropa trotzen rechten Protesten
Den Umzügen in beiden Städten waren Proteste von Anhängern rechtsradikaler und klerikaler Kreise vorausgegangen. In Sofia protestierten etwa 300 Anhänger der oppositionellen Ataka-Partei und der nicht im Parlament vertretenen WMRO gegen die Parade. Auch die christlich-orthodoxe Kirche des Balkanlandes hatte den Umzug, der zum fünften Mal stattfand, verurteilt. Ein orthodoxer Priester rief sogar zur Steinigung der Teilnehmer auf.
In Bukarest gingen etwa 100 Anhänger der klerikal-rechtsradikalen Bewegung Noua Dreapta ("Neue Rechte") auf die Straße. Auf ihrem "Marsch für Normalität" wandten sich die Demonstranten gegen Forderungen von Homosexuellen-Organisationen nach Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe und nach dem Recht homosexueller Paare, Kinder zu adoptieren. Beides ist in Rumänien verboten. Kein Politiker plant eine Ausweitung der Rechte der Homosexuellen.
In Sofia fand nach der Parade ein Konzert am Denkmal der Sowjetarmee statt. Aus Solidarität mit der Forderung von Homosexuellen nach Gleichberechtigung beteiligte sich auch US-Botschafter James Warlick an der Aktion. Die Organisation Human Rights Watch hatte nach Angaben bulgarischer Medien an die konservative Regierung appelliert, einen friedlichen Verlauf der Parade zu garantieren.
Bis zu 500.000 Teilnehmer in Paris
In Paris beteiligten sich am Samstag Zehntausende an der "Gay Pride" - nach Angaben der Polizei waren es bis zu 60.000 Teilnehmer plus Zehntausende Schaulustige. Die Veranstalter sprachen sogar von mehr als 500.000 Teilnehmern. Rund 80 Vereinigungen homosexueller Gruppen führten den Zug an, der vom Bahnhof Montparnasse bis zum Bastille-Platz durch die Stadt zog.
Der homosexuelle Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, begrüßte das Bekenntnis des neu gewählten Präsidenten Francois Hollande zu den Homosexuellen-Rechten. Die neue sozialistische Regierung hat homosexuellen Paaren das Recht zugesichert, zu heiraten und Kinder zu adoptieren.
Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte am Freitag, die Homo-Ehe werde in der fünfjährigen Amtszeit Hollandes Realität, ein konkretes Datum für eine Gesetzesvorlage wurde jedoch bisher nicht genannt. Nach Angaben des Familienministeriums soll das Gesetz bereits im kommenden Jahr verabschiedet werden. Dieses Versprechen habe für eine große Mobilisierung gesorgt, sagten die Veranstalter.
Hunderttausende Teilnehmer auch in Spanien
An der bunten Parade in Madrid beteiligten sich mehrere Hunderttausend Teilnehmer, die nach der Wahl einer konservativen Parlamentsmehrheit die Rücknahme der 2005 eingeführten Homo-Ehe befürchten. Die Teilnehmer protestierten gegen die Versuche der konservativen Regierungspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy, das Gesetz über die Homo-Ehe durch das Verfassungsgericht für ungültig erklären zu lassen. Die Entscheidung steht noch aus.
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